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Ihr heutiges Horoskop: Fake-Dating könnte zu unerwarteten Nebenwirkungen führen
von C. P., 28. Juli 2026

Es ist aus! Brian macht mit Stella Schluss. Sie würde ihn nur ausbremsen, sagt er, das hat ihm schließlich auch Dr. Love in ihrer Kolumne bestätigt. Kurzerhand macht Stella besagte Dr. Love ausfindig, sie soll dafür sorgen, dass Brian sich umentscheidet und zu Stella zurückkehrt. Schließlich sind die beiden doch wie füreinander bestimmt. Nur dass sich Dr. Love als Stellas grumpy Kollege Rowan entpuppt. Diese Spaßbremse, die ihr ohne mit der Wimper zu zucken den letzten Kaffee in der Zeitungsredaktion wegnimmt.
Stella ist eine wahnsinnig liebenswerte Person. Sie kann sich in andere Leute hineinversetzen, weiß mit Menschen umzugehen und selbst die Hunde, welche sie regelmäßig ausführt, lieben sie. Statt einem Riesenziel vor Augen hat sie ihre vielen kleinen Jobs und Aufgaben, in denen sie völlig aufgeht. Etwas, was ihr Ex nicht versteht, sie stattdessen lieber für seinen selbstverschuldeten Frust verantwortlich macht. Letztendlich, man ahnt es bereits, steht Rowan auf Stella und will, dass sie mehr an sich (oder an ihn) denkt statt es immer nur anderen recht zu machen. Wobei es einen Grund für Stellas Verhalten gibt, welcher im Laufe des Romans deutlich wird.
Auf gewisse Weise ist das Liebesdreieck zunächst recht amüsant: Rowan will Stella, Stella will Brian, Brian will weg. Und irgendwann ändern sich die Prioritäten. Und trotzdem konnte mich Saskias erster Band der New York Love Times nicht ganz so catchen wie ihre sonstigen Romane. Für meinen Geschmack trat die Story zu lange auf der Stelle, enthielt zuviel Füllmaterial, wird vorhersehbar. Das Grundthema, dass Stellas Bedürfnisse stärker gewichtet werden sollten, gefällt mir sehr, nur Rowan wirkte manchmal eher wie ein Mansplainer und hat zuletzt ähnliche Fehler gemacht wie Brian. Das ist einfach nicht so überzeugend, mit dem Finger anklagend auf andere zu zeigen, selbst aber auch nicht besser zu sein. Stellas Umorientierung hin zu Rowan konnte ich da auch nicht so richtig fühlen, egal wie gut er aussieht. Stellas sonstige Charakterentwicklung empfinde ich hingegen als wunderbar gelungen. Und der Humor der Autorin kommt ebenfalls nicht zu kurz.
Interessant sind übrigens auch Marlow und Leto, welche in Band 2 die Hauptrollen übernehmen werden und hier als die besten Freunde von Stella und Rowan auftreten. Zwei Charaktere mit starkem Potential für knisternden Funkenflug.
Im Übrigen heißt die Zeitung, bei welcher Stella und Rowan arbeiten, zwar nicht wirklich New York Love Times sondern Sunset Gazette, doch das Cover ist optisch einfach zauberhaft.

Rezension zu:
Was wäre, wenn es immer die gleiche Uhrzeit für alle bliebe?
von C. P., 27. Juli 2026

Pünktlich um 14.30 Uhr bleiben alle Uhren in Omas Haus stehen. Selbst die Oma ist stehengelieben. Das geht so natürlich nicht! Also macht Juli sich gemeinsam mit Zeitgeist Trim und dem alten Uhrmacher auf ins Land der großen Uhr, welche sich hinter der alten Standuhr im Keller verbirgt. Die dortige Welt gleicht einem großen Ziffernblatt, über welches die Zeiger am Himmel hinweg gleiten. Doch die Zeiger bewegen sich keinen Millimeter, seitdem der Zauberer das Uhrwerk manipuliert hat. Zu welchem Zweck bloß?
Während ihres Abenteuers treffen die drei auf weitere Zeitgeister, eine pfiffige Reporterin sowie auf die Hexe Unruh. Deren Riesenfledermaus ist allerdings nachtaktiv, was das Reisen um ständige 14:30 Uhr schnell problematisch macht. Zudem macht Juli sich weitere Gedanken, was es für Vor- und Nachteile mit sich bringen könnte, wenn es dauerhaft Mittagszeit bleibt. Von der stillstehenden Oma ganz zu schweigen. Ein interessantes Gedankenspiel.
Der Weltenbau ist als wunderschöne Illustration mitsamt aller relevanten Details und einiger Zeitgeister im Buch abgebildet; viele weitere kleine Illustrationen verschönern das Buch. Zeitgeist Trim ist das katzenartige Wesen auf dem Cover, das zurecht ziemlich sauer auf den Zauberer ist und eine amüsante Art zu fluchen hat. Auch sonst hat das Buch viele unterhaltsame Details zu bieten.
Kritisieren muss ich allerdings ebenfalls ein paar Punkte. Generell tendiert das Buch wiederholt zu einer leicht aggressiven Grundstimmung, bedingt durch die Verhaltensweisen einiger Charaktere. Das könnten einige Kinder als unangenehm empfinden. Trim gestehe ich zu, ab und an ein kleiner Wüterich zu sein, immerhin ist es seine Himmelsuhr, die da manipuliert wurde. Was mich jedoch störte war, dass einige Charaktere zu Handlungen gezwungen werden, die sie nicht wollen. Einmal betrifft es Juli (sie soll mit alten Damen Torte essen), wo ich mir gewünscht hätte, dass sie, statt brav mitzuspielen, ihre Grenzen aufgezeigt hätte, dass fremde Erwachsene nicht einfach alles mit ihr machen können. Sowas ist wichtig. Ebenso wie an anderer Stelle, als die Hexe Unruh, die optisch leider dem Klischee der bösen Hexe von Oz entspricht, mal ihre Fledermaus, mal einen Zeitgeist mit Gewalt zu etwas zwingt. Alle wissen, dass es falsch ist. Das fühlt man mit jeder Silbe. Doch niemand sagt etwas gegen ihre Übergriffigkeit. Das sind so Stellen, an denen das Buch falsche Signale sendet, über welche mit den Kindern geredet werden sollte.
Aufgrund der nicht allzu komplizierten Handlung, des lockeren Schreibstils und der recht niedlichen Illustrationen würde ich das Buch zum Vorlesen oder (je nach Lesestärke) Gemeinsamlesen je nach Kind ab 7 Jahren oder zum späteren Selbstlesen empfehlen. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 9 Jahren.

Rezension zu:
Wut der letzten Jahrhunderte bahnt sich ihren Weg
von C. P., 27. Juli 2026

Yrsa schreibt als Woman of Colour an ihrer Doktorarbeit an der Fakultät für Soziologie in Cambridge. Nebenbei unterrichtet und betreut sie Studentinnen und Studenten der ersten Semester. Schon früh wurde sie mit Vorurteilen einer misogynen und rassistischen Gesellschaft konfrontiert. In der Sonntagsschule z. B. mit Auflagen und Verboten, um als ehrbares und wohlerzogenes Mädchen zu gelten. Und zugleich die Erfahrung, wie sich in ihrer Jugend Männer auf einer Datingplattform schamlos bei ihr meldeten, die doppelt so alt waren wie sie und danach gierten, bei ihr zum Zug zu kommen.

[Er] hatte aus ihr ein Objekt gemacht, eine Ware mit zugeschriebenem Wert; machtlos. Und sie hatte ihn totgemacht. (Zitat S. 112)

Durch das Thema ihrer Doktorarbeit beschäftigt sich Yrsa stark mit der Ausbeutung der People of Colour (PoC), insbesondere der Frauen. Doch auch in ihrem eigenen Umfeld beobachtet sie, dass die Frau von vielen Männern als Konsumgut betrachtet wird. Frauen werden ausgebeutet bzgl ihres Körpers, ihrer Fähigkeiten, ihres Wissens, bei gleichzeitiger Ignoranz ihrer Sichtweisen. Nachdem ein Professor schamlos ihre Studienkollegin in mehrfacher Hinsicht ausgenutzt hat, besitzt Yrsa keine Skrupel die Gelegenheit zu nutzen, ihm zu schaden. Kein Mord, sie hat nur ein wenig nachgeholfen. Ein Tod, rein durch Zufall entstanden und offiziell als Unfall registriert. Eine Biene war Schuld. Etwas, was Yrsa eine unerwartete Befriedigung verschafft.
Bis zu diesem Punkt bietet der Roman eine brisante Aktualität aus Sicht einer Woman of Colour, die emotional gut mitzuverfolgen ist. Arroganz und Verhaltensweisen einiger männlicher Individuen lassen beim Lesen schnell die Alarmglocken schrillen. Möglich, dass dieser Moment mit der Biene der Wendepunkt in Yrsas Leben ist, ab welchem sie eine Kanalisation für ihre Wut findet. Im Verlauf des Romans vermischt sich die ganze misogyne Gewalt der Männer, welche Frauen im Laufe der Geschichte erfahren mussten (und mit welcher sie sich beruflich durchgängig befasst), in ihrem Kopf mit den Taten der Männer in der Realität. Immer mehr Wut staut sich in ihr auf, immer stärker ist ihr Wunsch nach tödlicher Vergeltung. Und immer größer wird die Gefahr, die eigene Objektivität, sich selbst zu verlieren.

Sie hasst sie alle. (Zitat S. 20)

Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich Yrsas Entwicklung mitverfolgen. Ein paar Einblicke in die Thematik ihrer Doktorarbeit waren da hilfreich oder zumindest interessant. Und dennoch tat ich mich im Verlauf der Handlung immer schwerer damit, Yrsas Charakter zu verstehen, insbesondere der Verlauf ihrer tödlichen Obsession. Es ist nicht allein ihre Distanziertheit, sondern auch ihr Hang zur Unehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber. Sie wirkt über Längen wie emotionslos, nur um im nächsten Moment ihre angestaute Wut wie bei einem Vulkan ausbrechen zu sehen. Doch eine Auseinandersetzung mit gewissen Geschehnissen bleibt den Lesenden oft verwehrt. Auch fehlten mir ausreichend ehrliche Interaktionen, um sie als Charakter greifbar zu machen. Für mich ging die Mischung aus Provokanz, Fakten und Gesellschaftskritik final nicht auf, weil langatmige Abschnitte wiederholt die Handlung ausbremsten, ohne bei mir ein Gefühl des Mehrwertes erzeugen zu können. Für die für meinen Geschmack stellenweise zu langatmige Umsetzung einer gelungenen Idee gebe ich 3,5/5.

Rezension zu:
Internatsclique besiegt magische Bedrohung
von C. P., 27. Juli 2026

Ein Stipendium ist der Grund, warum Nicky an die Ashfield Academy kommt, ein Internat nahe eines urigen kleinen Ortes und voller reicher Schnösel. Sogar das Mittagessen besteht hier aus Schnösel-Gerichten! Bloß nicht negativ auffallen, den falschen Löffel benutzen oder so. Gemeinam mit ihren neugewonnenen (unschnöseligen) Freunden erfährt sie kurz darauf nicht nur, dass sie magische Fähigkeiten besitzt, sondern auch von einem uralten magischen Geheimnis, verschwundenen Kindern und einer Macht, die sie nur gemeinsam bekämpfen können.
Der Roman lebt stark von Erlebnissen und Interaktionen statt langer Beschreibungen und Grübeleien. Dadurch schreitet die Handlung schnell voran, ohne Langeweile auch nur den Hauch einer Chance zu bieten. Aussergewöhnlich ist die Freundesclique rund um Nicky, alle haben ihr Stärken, Schwächen, Macken oder Handycaps und müssen zunächst als Team zusammenwachsen. Die magischen Fähigkeiten der Magiebegabten sind ebenfalls vielfältig, wobei nur ein Bruchteil der Schülerinnen und Schüler Magie wirken kann. Und die Bedrohung, welche es zu besiegen gilt, fordert einiges an Mut, Vertrauen und Kreativität von den Jugendlichen. Die Gargoyles auf dem Cover bieten hier einen ersten Anhaltspunkt. Vor langweiligen Unterrichtsstunden wird mal beim Lesen verschont, dafür gibt es mit Norvilles Novitäten einen faszinierenden Laden der ganz besonderen Art, welchen die Kinder wiederholt im Ort aufsuchen.
Die Ashfield Academy ist für alle Magie- und Abenteuerfans einen Besuch wert und bietet ausreichend Material für eine ebenso gelungene Fortsetzung.

Rezension zu:
Fahrt mit dem Taxi ins Glück
von C. P., 12. Juli 2026

Dieser Roman ist eines der Asian Healing Bücher, welche der Leserschaft geschickt einen Weg zu anderen Denkweisen und Perspektiven aufzeigen. Gemeinsam mit einem Versicherungsvertreter, der von sich überzeugt ist, vom Glück verlassen worden zu sein, steigt man in ein ganz besonderes Taxi. Der Fahrer steuert daraufhin einzelne Zielorte an, welche dem Mann zu mehr Glück verhelfen könnten. Doch hierfür müssen Denk- und Sichtweise erst einmal neu ausgerichtet werden.
Anhand des zunächst mürrisch-frustrierten Shûichi Okada erfährt man hierbei auf unterhaltsame Weise, welche kleinen Details zu mehr Glück führen könnten. Wie gehe ich mit mir selbst und meinen Mitmenschen um? Wie mit Misserfolgen? Muss ich gar zunächst in späteres Glück investieren? Lauter Stellschrauben, die Shûichi Okada mit der Zeit lernt umzusetzen, bis er nicht nur mit sich selbst im Reinen und dadurch glücklicher ist, sondern auch seiner Familie eine Portion Glück beschert.
Der Taxifahrer bleibt angenehm besonnen, spricht nie mit fiktiv erhobenem Zeigefinger, sondern erklärt Zusammenhänge, die Gründe für Erfolge und Misserfolge und wie man selbst aus letzteren etwas Positives ziehen kann.
Ein hervorragend geschriebenes Buch mit einer sehr gut nachvollziehbaren Charakterentwicklung und vielen Denkanstößen, welche man für sich mitnehmen kann.

Rezension zu:
Emotionale Queer-Romance basierend auf einer chinesischen Legende
von C. P., 12. Juli 2026

In einer Welt, in welcher es Magie und Naturgeister gibt, sucht Prinz Xian verzweifelt nach einem Heilmittel für seine Mutter, welche vor Jahren durch den Biss einer weißen Schlange erkrankte. Das Orakel prophezeit ihm, in Changle eine weiße Schlange zu finden, welche seine Mutter heilen könnte. In offiziell politischer Mission macht sich Xian also mit seinem Gefolge auf an den Hof von Changle.
Ebenfalls auf dem Weg dorthin sind Zhen und seine Schwester, um sich am Hof etwas Geld zu verdienen. Was niemand weiß: die beiden sind Schlangengeister. Und Zhen ist eine weiße Schlange.
Natürlich laufen die beiden jungen Männer sich über den Weg, und natürlich kommt es zu einer gewissen Anziehung zwischen den beiden, welche auch eine besondere Bedeutung hat. Ein großer Pluspunkt des Romans an dieser Stelle ist der Perspektivenwechsel zwischen den beiden. Zhen hat seine Geheimnisse, und eines davon bereitet ihm ein so schlechtes Gewissen, dass er mehr darunter leidet, als er überhaupt müsste. Sein emotionaler Part ist sehr einfühlsam und bewegend. Prinz Xian ist hin und hergerissen zwischen der Sorge um seine Mutter, seinen Gefühlen zu Zhen und den Forderungen des Hofmagiers, die Suche nach der Schlange voranzutreiben. Hier ist Xians Charakterentwicklung sehr interessant, welche seine Entscheidungen stark beeinflusst, wenn auch nicht immer in bester Weise, wie er später feststellen muss.
Ein schönes Extra sind die magischen Hintergründe, welche einige Geschehnisse sowie das Handeln mancher Charaktere verdeutlichen. Der Fokus liegt auf den Charakteren, weniger auf dem Weltenbau. Und das ist hier auch völlig ausreichend, da das emotionale Auf und Ab mitsamt allen HIndernissen für ausreichend Spannung sorgt. Eine emotional mitreissende SlowBurn-Romantasy vor fernostasiatischer, historischer Kulisse für Jugendliche und alle Junggebliebenen.

Rezension zu:
Wenn ein Cold Case zum Hot Case wird
von C. P., 12. Juli 2026

Neuer Thriller, neue Spannung. Mit der Reihe UNGELÖST lernen wir Luisa Menkhoff kennen, der auf einem Vermisstenplakat die einstige Partnerin ihres damaligen Entführers Dr. Lichner entgegenblickt. Kurzentschlossen geht sie zunächst privat der Sache nach und meldet einen ersten Verdacht bei der Münchener Polizei. Dort soll Ramin Brunner den Fall übernehmen. Ramin hat gerade die Zusage erhalten, eine neue Cold Case Abteilung aufbauen und leiten zu dürfen, dieser Fall soll sein letzter in seiner bisherigen Abteilung sein. Dabei staunt er nicht schlecht, als er erfährt, dass Medizinstudentin Luisa ein eidetisches Gedächtnis besitzt und sich an jedes Detail der einstigen Entführung in ihrer Kindheit erinnern kann. Und die simple Vermisstenmeldung entpuppt sich zudem schnell zu ein perfiden Verbrechen.
Mich konnten sowohl die Hauptcharaktere wie auch der Fall selbst überzeugen. Luisa beeindruckt mit ihrer Zielstrebigkeit ebenso wie mit ihrer Gedächtnisleistung, welche sie zugleich auch als Belastung beschreibt. Diese Differenzierung empfand ich als sehr wichtig für ihren Charakter. Wer Arno Strobels weitere Romane gelesen hat, dem wird der Name Menkhoff bestimmt ein Begriff sein, der u.a. auch in der Reihe Mörderfinder vorkommt. Ermittler Ramin Brunner ist nicht nur äusserst fokussiert, sondern kann auch sehr gut mit Menschen umgehen. So bekommt er einen Kollegen zur Seite gestellt, den alle als Problemkollege bezeichnen, während Ramin die Empathie und Toleranz aufweist, um mit ebendiesem Kollegen recht schnell ein gutes Team abzugeben. Zudem eiert Ramin gedanklich nicht so rum wie andere Ermittelnde sondern ist sehr zielgerichtet. Und der Fall selbst bietet ausreichend Spannung mit ein paar Verschnaufpausen und samt einigen gut platzierten Wendungen.
In meinen Augen ein gelungener Auftakt in eine neue Thriller-Reihe mit überzeugenden Charakteren und einer straffen und spanennd gestalteten Handlung.

Rezension zu:
Gewalt, die Wellen schlägt wie ein Stein im Wasser
von C. P., 6. Juli 2026

Der Patriarch ist tot. Im Ferienhaus der Familie plant die Witwe Connie bei einem gemeinsamen Treffen mit ihren Töchtern mitsamt Partnern und Enkelkindern, diese über das Testament ihres Mannes zu informieren. Ein letzter Wille, der sie dazu zwingt, ein fürchterliches Geheimnis zu offenbaren. Nur ist Connie nicht die einzige, die ein schwerwiegendes Geheimnis mit zum Familientreffen bringt. Und manche Geheimnisse enden tödlich.
Die Autorin spielt zunächst mit mehreren Andeutungen, die zwar subtil, dennoch erkennbar auf Connies Geheimnis hinweisen. Eine später eingeschobene Rückblende, gekonnt platziert, schildert die Hintergründe des Geheimnisses aus Connies Perspektive, ohne jedoch zu früh zuviel zu verraten. Insgesamt werden die Personen so dargestellt, dass der erste Eindruck nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen muss, sich Gewalt hinter Charme verbirgt, Unsicherheit hinter Härte, Leid hinter Stärke. Positiv ist zudem, dass die Perspektiven sich abwechseln, das macht das Miträtseln etwas angenehmer.
Die Andeutungen und Wendungen sind für meinen Geschmack gut gewählt, so dass einige Vermutungen sich bewahrheiten, während andere sich als Irrtum herausstellen können. Bei manchen Personen fand ich die Charakterentwicklung recht gut gelungen, einige konnten mich sogar überraschen, während andere Personen leider etwas blass blieben. Ja okay, und gewisse Probleme hätten in dem Ausmaß vermieden werden können, hätten die Personen rechtzeitig miteinander kommuniziert. Am bewegendsten ist allerdings, wie männliche Gewalt hier seine Wellen schlagen kann bis in die Folgegeneration und wie das Ganze mit dem Treffen im Ferienhaus in einem tödlichen Höhepunkt mündet.

Rezension zu:
Ein Roman voller bewegender Details und Momente
von C. P., 2. Juli 2026

Voller Erwartungen reist der britische Journalist Joseph Adelaide 1920 in die französische Provence, in der Tasche eine Einladung des zurückgezogen lebenden Malers Édouard Tartuffe. Dieser behauptet, keine Ahnung von einer Einladung zu haben, doch seine Nichte Ettie gibt Joseph kurzerhand als neues Modell für ein geplantes Bild aus. Joseph darf bleiben. Doch dem misanthropen wie exzentrischen Künstler ist kaum ein interessantes Detail zu entlocken. Hätte Joseph doch nur von Beginn an sein Augenmerk auch auf Ettie gerichtet, denn mit ihrem Geheimnis hätte er nie im Leben gerechnet.
Das Buch lebt von so vielen Aspekten. Überzeugen konnte mich die lebendige Beschreibung der Umgebung, der Natur, des Nachbarortes sowie des abgelegenen Gehöfts, auf das der Maler sich damals aus der Großstadt zurückgezogen hat. So konnte ich mir beim Lesen jede Szene nicht nur bildhaft vorstellen, sondern in einem gewissen Rahmen auch miterleben. Fasziniert haben mich die Einblicke in die Malvorgänge des Künstlers sowie aller aufwendigen Vor- und Nacharbeiten durch die Nichte. Joseph ist natürlich auf alles neugierig und benötigt Details, um seine Leserschaft bei Laune halten zu können. Nicht nur das viele Material und Werkzeug, sondern auch das Arrangieren der Motive, der Einfluss von Licht und Zeit sowie die Wahrnehmung eines Künstlers seiner Umwelt waren ein spannender Input. Und zu guter Letzt ein Thema von aktuell hoher Brisanz: Misogynie und das bewusste Kleinhalten einer Frau durch den Mann, damit dieser sich groß fühlen kann, in Kombination mit strategischer Inkompetenz.
Man erlebt und interpretiert die Situation vor Ort quasi durch Joseph, der zunächst völlig unbedarft und mit großer Ehrfurcht an den Künstler heran tritt und den Blick für die Wahrheit erst mit der Zeit und fast nur durch Zufall gewinnt. Als heutige Frau hatte ich vieles davon schnell in Verdacht, während Joseph als Mann der damaligen Zeit mit einer völlig anderen Perspektive und Erwartungshaltung startet. Und dennoch kann ich sagen, insbesondere eine gewisse Überraschung hat mir sogar angenehme Schadenfreude bereiten können.
Die Handlung an sich zieht sich stellenweise ein wenig, dennoch bin ich der Meinung, das ist notwendig, damit Joseph glaubhaft seinen Blickwinkel neu ausrichten kann. Das etwas langsame Voranschreiten ist das Einzige, was mir beim Lesen des Romans Durchhaltevermögen abverlangte. Ansonsten konnte mich das Buch durch die oben genannten positiven Aspekte überzeugen. Entsprechend von mir 4,5 von 5 Pinseln (wobei ein zerbrochener Pinsel sogar im Buch eine nicht unwichtige Rolle für Ettie gespielt hat).

Rezension zu:
Adaption der Geschichte eines einst grausamen Tyrannen
von C. P., 1. Juli 2026

Der Roman basiert auf den Chroniken, die vom tyrannischen König Yeonsangun der Joseon-Dynastie zu Beginn des 16. Jh berichten. Eine ähnliche Adaption mit anderen Schwerpunkten kannte ich bereits von der Serie Bon Appétit, Your Majesty, wodurch ich überhaupt erst von diesem Tyrannen erfahren habe.
In dieser Adaption lässt der König Yeonsan Unmengen junger Frauen entführen, damit er sich mit ihnen umgeben, sich an ihnen erfreuen und sie nach Lust und Laune misshandeln kann. Eine dieser Frauen ist Suyeon, die ältere Schwester der 17-jährigen Iseul. Und Iseul hat sich auf den Weg gemacht, um Suyeon zu befreien, auch wenn sie überhaupt keinen Plan hat, wie. Doch auch die Männer im Umfeld des Königs leiden unter dessen brutalen Tendenzen, werden zu tödlichen Spielen und Misshandlungen gezwungen und so einiges mehr. Dessen Halbbruder Prinz Daehyeon plant, den König zu stürzen, doch hierfür sind starke Verbündete nötig. Durch Zufall kreuzen sich die Wege von Iseul und Daehyeon und aus Feinden werden langsam Verbündete.
Der Roman ist definitiv keine Romance mit Geflirte am Königshof und schönen Gewändern, sondern eine Kombination von Charakteren, die mit einem harten Schicksal zu kämpfen haben. Es gibt noch einige weitere Charaktere und Nebenhandlungen, die alles zu einer angenehm komplexen Story erweitern. Eine Story, die ich als ziemlich bewegend und spannend zugleich empfunden habe. Hier wird definitiv nichts romantisiert, die schönen Momente müssen hart erkämpft werden. Und gerade deswegen konnte mich die Erzählung auf voller Länge überzeugen.

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