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Ein heute vergessener Unternehmer
von Nicole Koppandi, 15. September 2026

Ich fand den Roman sehr gelungen, weil historische Fakten als Prosa geschrieben und mit Fiktionen bereichert wurden.

Max Duttendorfer, der Erfinder des rauchlosen Schießpulvers, ist heute kaum noch bekannt, war er jedoch zu seiner Zeit im 19. Jahrhundert ein berühmter Großindustrieller in der Stadt Rottweil und schwer reicher Mann – insbesondere nach dem 1. Weltkrieg, als die Rüstungsindustrie florierte. Mit Bismarck und weiteren Größen aus Wirtschaft und Politik war er eng verbunden.

Max Duttendorfer war ein eiskalter Unternehmer: er baute das übernommene Unternehmen groß aus, er war Vorstand in der Daimler Motoren Gesellschaft und Waffenfabrik Mauser und vieles anderes mehr. Explosionen in seiner Schießpulverfabrik waren für ihn kein Grund, Sicherheitsmaßnahmen für die Arbeiter*innen zu ergreifen. Mitarbeiter*innen, die sich Sozialist*innen und ihren Aufständen anschlossen, wurden gekündigt; einige fand man sogar unerwartet tot auf.

Nach seinem plötzlichen Tod übernahm sein Bruder das Unternehmen. Im Laufe des Romans wird die Perspektive der unehelichen Enkelin Rosa eingenommen, die als Arbeiterin in der Fabrik eine ganz andere Sichtweise auf das Unternehmen hatte.

Im 21. Jahrhundert angekommen, erleben wir mit zwei weiteren Protagonistinnen den heutigen Blick auf das damalige Unternehmen.

Der Roman erstreckt sich vom 19. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert und über Generationen, aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln – was ich sehr gelungen finde.

Ich beurteile das Konzept des Romans äußerst gelungen, er ist interessant zu lesen und ich habe dabei viel Neues gelernt, was ich besonders mag. Max Duttendurfer war kein sympathischer Unternehmer, seine unehelichen Nachfolger*innen, die lediglich in der Fabrik schufteten, haben einen ganz anderen Blick – genau das macht die gesamte Geschichte so unglaublich spannend.

Große Empfehlung meinerseits.

Rezension zu:
Eine sehr inspirierende Frau
von Nicole Koppandi, 8. September 2026

Eigentlich dachte ich, dass ich die Geschichte von Rosa Parks kenne, doch schon nach dem Vorwort dieses Buches wurde mir klar, dass ich doch einige Lücken hatte.

Rosa Parks ist die Ikone der Bürgerrechtsbewegung Anfang der 1950er Jahre in den Vereinigten Staaten. Ihr rechtlicher Beistand war der damals neu nach Montgomery gezogene Dr. Martin Luther King jr.

Es war kein Zufall, dass gerade Rosa Parks Geschichte der Präzedenzfall vor Gericht wurde, der zu einer Gesetzesänderung für Schwarze führte. Es gab zuvor schon eine 15-Jährige mit einem ähnlichen Fall, die jedoch kurz darauf schwanger und als ungeeignet angesehen wurde, um damit in die Öffentlichkeit zu gehen – man brauchte eine „tadellose, unbescholtene“ schwarze Frau. Genau das war Rosa Parks: verheiratet, ohne Vorstrafen und ohne dass, wenn man in ihrer Vergangenheit wühlen würde, etwas zu finden wäre.

Zugleich mit der Gerichtsverhandlung über ihr nicht gesetzeskonformes Verhalten, im Bus nicht für Weiße aufzustehen und den Platz freimachen, wurde in Montogomery zu einem Busboykott aufgerufen. Sie stellten die größte Gruppe jener dar, die Busse nützten, wurden als Kund*innen jedoch schlecht behandelt. Nicht nur, dass sie für Weiße aufstehen mussten, sie mussten die Fahrkarte zwar vorne kaufen, dann Aussteigen, um den hinteren Eingang des Busses zu verwenden, wobei der Bus oftmals davonfuhr statt kurz auf sie zu warten.

Rosa Parks erzählt in ihren Erinnerungen über ihre Kindheit, die Begegnungen mit Dr. Martin Luther King und seinem Aufruf zum gewaltlosen Widerstand, vom Schock über die lebensgefährlichen Angriffe auf seine Person und das tödliche Attentat. Sie verfolgte den Wandel von Malcolm X, wie er zuvor als gewalttätiger Kämpfer für die Bürgerrechte, nach einer Reise nach Mekka zum Islam konvertierte und auch wie er zu früh ermordet wurde.

Wow, das war ein Buch, ich konnte es kaum aus der Hand legen – Rosa Parks Erinnerungen sind auf 180 Seiten sehr interessant und es wird mit dem Gerücht aufgeräumt, dass Rosa Parks zu müde war, um aufzustehen. Die Sprache ist weder literarisch noch elaboriert hochgestochen und vielleicht gerade deswegen ist das Buch so authentisch.

Rezension zu:
Kunstgeschichte - unterhaltsam, klug und ohne "Too Much Information"
von Nicole Koppandi, 27. August 2026

Was war das für ein lässiger Ritt durch die Jahrhunderte der Kunstgeschichte.

Kunstgeschichte, die Spaß beim Lesen macht. Das war die Motivation beim Schreiben dieses Buches beim Autor Jakob Schwerdtfeger – und das ist auch absolut gelungen. Aus jeder Epoche der letzten 1000 Jahre Kunstgeschichte werden die prägendsten und/oder bekanntesten Kunstwerke und ihre Schöpfer*innen exemplarisch herausgepickt, anhand derer in ebenso profunder wie unterhaltsamer Weise die Merkmale inkl Kontext erzählt werden.

Das Buch schafft einen guten Überblick, weil es nicht mit Details und zu vielen Informationen überfrachtet ist, sondern sich auf das Wesentliche jeder Epoche beschränkt. So habe ich mir auch viel wirklich gemerkt (not too much information!). Für mich als Nicht-Expertin ist genau dies der wesentliche Aspekt, warum ich das Buch sehr empfehle - mit einer Brise Humor (zB Barock ist Koks). Und für jede Epoche wird auch eine Frau vor den Vorhang geholt, als sehr beeindruckende Persönlichkeit ihrer Zeit.

Das Buch ist brilliant geschrieben, schön bebildert und sehr informativ – man behält Geschichten, die Schwerdtfeger erzählt im Kopf, gerade auch durch die gut gewählten Beispiele.

Rezension zu:
Eine Frau, die sich ihr eigenes Leben erschreibt
von Nicole Koppandi, 22. August 2026

Mittlerweile führt die 50-jährige Morag Gunn ein zufriedenes Leben als erfolgreiche Schriftstellerin in einem Haus am Fluss in einer ländlichen Gegend Kanadas, den sie jeden Morgen betrachtet. Als ihre 18-jährige Tochter Pique von zuhause weggeht und ihre Mutter im Ungewissen lässt, wohin sie geht und wann sie wiederkommt, blickt Morag auf ihr eigenes Leben anhand von Fotos zurück und erzählt davon in „Gedächtnisfilmen“.

Morags Eltern starben beide früh an Kinderlähmung. Sie wuchs als Waise in ärmlichen Verhältnissen bei Christie und dessen Frau Prin auf, Christie war ein Fraund ihres Vaters. Christie ist der Müllsammler im Dorf, dafür schämte sich Morag in der Schule. Sie wusste schon früh, dass sie aus Manawaka wegwollte, Erfolg in der Schule ihr das nötige Rüstzeug dafür gibt und ging dann zum Studieren nach Winnipeg. Sie heiratete ihren Literaturprofessor, brach das Studium ab und begann zu schreiben. Schon zuvor hat sie immer wieder geschrieben, nun arbeitete sie an ihrem ersten Roman. Die Ehe war jedoch nicht von Dauer und enttäuschend. Noch während ihrer Ehe hatte sie eine Affäre mit ihrem Jugendfreund Skinner Tonnerre, aus der ihre Tochter Pique hervorgeht, die sie allein großzieht.

Der Roman hat autobiografische Züge. Im Juli dieses Jahres wäre Margaret Laurence 100 Jahre alt geworden, leider ist sie bereits 1987 verstorben. Glücklichere Tage erschien 1974 erstmals auf Deutsch und wurde nun vom Eisele Verlag neu herausgebracht.

Ein poetischer Roman über Liebe und Selbstbestimmung, Bildung, Mutter und Alleinerziehend sein, übers Leben in Armut und großen Träumen. Dieser Roman hat mich richtig reingezogen in die kanadische Welt der 1970er Jahre und in die Welt von Morag Gunn. Diesen Roman kann ich wirklich ans Herz legen.

Rezension zu:
Strandlektüre mit 90er Jahre Vibe
von Nicole Koppandi, 8. August 2026

Hitze, Sonne, Strand, Freunde, Amore, Musik und Meer in Italien

Kamil und seine Schwester Beatrice kehren im Sommer 1994 für drei Monate, nach einem Jahr bei ihrem Vater in Warschau, zurück nach Ostia zur Mutter. Sie lebten für ein Jahr beim Vater, seiner neuen Frau und deren Baby in Polen. Der Vater ist Pole, die Mutter Italienerin. Es gab einen Vorfall mit der Mutter in Ostia. Die Mutter ist zwar reich und lebt in einer Villa in Ostia, konnte sich aber nach einem Vorfall nicht mehr um die beiden Teenager kümmern.

Es ist nicht einfach für die beiden wieder Fuß zu fassen, nach der einjährigen Abwesenheit: Beatrice wollte nicht zurückkehren: ihre Freundin von früher lässt sich am Telefon verleugnen, und Beatrice hasst ihre Mutter. Kamil versucht die Mutter zu beschützen, damit sie ihre Auflagen erfüllen kann und kämpft in Ostia um Zugehörigkeit bei Jugendlichen. Er möchte in Italien bleiben, nicht zurück zum Vater. Beatrice möchte hingegen wieder zurück nach Polen.

Eine Coming-of-Age Geschichte, in der unterschiedliche Welten aufeinandertreffen. Und mittendrin die beiden jugendlichen Geschwister, die ihren Platz suchen. Es geht um Liebe, Geld, Rassismus, Musik, Dazugehörigkeit und Bildung.

Während des Lesens spürt man die Zerrissenheit der Jugendlichen, das Zweifeln und Suchen und Hoffen. Ich mochte den Roman und konnte mich gut in die Protagonist*innen hineinversetzen. Die Atmosphäre des Sommers wurde wahnsinnig gut transportiert – war ich doch 1994 gleich alt wie die beiden und hörte selbst Nirvana. Für mich der Sommerroman mit einem 1990er Jahre Vibe inkl Soundtracks am Ende des Buchs.

Absolute Strandlektüre!

Rezension zu:
Ein Leben in Gefangenschaft
von Nicole Koppandi, 23. Juli 2026

Der Roman ist in zweierlei Hinsicht erschütternd: häusliche Gewalt wird sehr plastisch beschrieben und das Leben im Gefängnis, als ein unvorstellbarer Zustand.

Zu Beginn liest man kurze Eindrücke von Journalist*innen, Nachbar*innen, Verkäufer*innen in der Umgebung und Polizeisprecher*innen, über all das was sie über die beiden Personen wissen: das Mordopfer, der feine Herr Professor und die Mörderin, seine Frau.

Lada Lončar sitzt im Gefängnis und lässt Revue darüber passieren, wie sie hierhergekommen ist. Wie sie ihren Ehemann kennengelernt hatte und nicht glauben konnte, welches Glück sie hatte. Der elf Jahre ältere Professor, den sie als Studentin auf der Uni kennengelernt hatte, der sich so richtig für sie interessierte, ihr zuhörte und aufmerksam zu ihr war.

Ganz langsam hat dann die häusliche Gewalt begonnen: zu Beginn, weil sie 20 Minuten später als sonst von der Arbeit nach Hause kam und er sie verdächtigte, sie sei deshalb zu spät, da sie etwas tue was er nicht möchte. Vieles hat sie getan, um den häuslichen Frieden zu wahren, der meist jedoch nur für kurze Zeit anhielt: sie durfte sich nicht mehr kleiden wie sie es wollte, sich nicht mehr schminken und sich auch vor dem Arbeiten nicht mehr duschen – alles andere hätte den Verdacht genährt, dass sie ihn betrüge. Es nützte alles dennoch nichts – er schlug und demütigte sie, er sperrte sie vor die Haustüre, er ließ sie nicht arbeiten gehen und entzog ihr Geld, er weckte sie nachts, um ihr Fragen zu stellen, die nicht beantwortbar waren, er isolierte sie von ihren Eltern, ihrer Schwester und ihren Freundinnen. Besonders arg war es, wenn er getrunken hatte.

Zur Hochzeit wurden weder Eltern noch Freunde eingeladen – er isolierte sie immer mehr. Niemand bekam mit, was vor sich ging: weder die Fehlgeburten, noch die blauen Flecken oder die Scham, mit der sie leben musste.

Ein anderer Erzählstrang berichtet von ihrem Leben im Gefängnis, den anderen Frauen in Haft und deren Taten. Die beiden Zeitebenen verweben sich gedanklich.

Hier wird aber nicht das Opfer ermordet, sondern der Täter.

Ein Roman, der echt unter die Haut geht. Es wird so nachvollziehbar dargestellt, wie die Frau sich um der Harmonie willen und als Deeskalationsmaßnahme dem Willen des Partners beugt und dabei selbst verliert.

Rezension zu:
Liebe gegen alle Konventionen
von Nicole Koppandi, 14. Juli 2026

Anna Plochl, der nicht standesmäßigen Ehefrau von Erzherzog Johann, wird eine fundierte Biografie gewidmet, die ihr mehr als gerecht wird.

Als Anna 15 Jahre alt ist, lernt sie den um 17 Jahre älteren Johann in Aussee zufällig kennen. Erzherzog Johann ist der Bruder des Kaisers und muss Jahre warten bis der Kaiser die Zustimmung zur Hochzeit mit der Posthalter-Tochter gibt. Bis dahin leben sie zusammen, jedoch ohne Trauschein. Anna wird die meiste Zeit ihres Lebens alleine sein. Erzherzog Johann ist im Auftrag der kaiserlichen Familie unterwegs.

Erst Jahre nach der Hochzeit wird Anna in den Adelstand erhoben – und wird Gräfin von Meran. An den Kaiserhof in Wien begleitet sie Johann selten, sie fühlt sich dort nicht wohl und wird von den meisten abgelehnt. Am Hof bekommt sie ihre soziale Herkunft sehr zu spüren. Daher bleibt sie viel lieber auf den Gütern in der Steiermark, wird dort als Landwirtin anerkannt und sorgt mit ihrer Hands-on Mentalität für Aufschwung und Ausbau der Landgüter.

Die Kunsthistorikerin Gabriele Reiterer hat sich durch die Archive gearbeitet, Briefe und Tagebücher von Anna Plochl gesichtet und akribisch recherchiert.

Ich fand diese Biografie ganz wunderbar zu lesen. Das Buch ist schön gestaltet und reich bebildert. Ich habe bei der Lektüre reichlich Neues erfahren, nicht nur über Anna Plochl, auch über Erzherzog Johann.


Absolute Empfehlung

Rezension zu:
Ungleichheit verständlich und eindrucksvoll erklärt - sehr zu empfehlen
von Nicole Koppandi, 2. Juli 2026

Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Thomas Piketty, ist diese ansprechende Graphic Novel ein wahrer Schatz.

Beginnend von der Antike bis in die Jetztzeit werden Ungleichheiten aufgezeigt, wie diese historisch gewachsen sind und sich über die Jahrhunderte entwickelten. Themen wie die Französische Revolution, als Reaktion auf gravierende soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten, Kolonialismus und Sklaverei, patriarchale Strukturen und der Klimawandel durch Umweltschädigungen sowie große Einkommensdisparitäten werden auf sehr zugängliche Weise thematisiert. Hier wird verdeutlicht, dass der Reichtum des Westens, also der Ersten Welt, nur durch die Kolonialisierung und Ausbeutung der heute Dritten Welt erfolgte und erfolgen konnte.

Was ich auch ganz wichtig finde: es wird dargestellt, dass der Gap der Ungleichheiten im Vergleich zu vor 200 Jahren kleiner geworden ist, durch mehr Demokratie, Sozialstaat und Bildung, auch wenn es sich für uns nicht so anfühlt.

Ich finde diese Graphic Novel äußerst gelungen, sie verschafft über die wesentlichen Ungleichheiten und Verteilungen des Reichtums einen guten Überblick, ist sehr ansprechend gestaltet und lässt sich gut lesen.

Rezension zu:
Einer der ersten amerikanischen feministischen Romane
von Nicole Koppandi, 22. Juni 2026

Wir befinden uns im ausgehenden 19. Jahrhundert. Edna Pontellier verbringt den Sommer mit ihrer Familie auf Grand Isle, einer Insel bei New Orleans. Sie hat einen sehr wohlhabenden Mann, Léonce Pontellier, in sehr jungen Jahren geheiratet und mit ihm zwei kleine Kinder. Es ist eine typische Ehe dieser Zeit: patriarchale Strukturen, aus Vernunft geheiratet, emotionslos, aber nicht unbedingt schlecht.

Mit den Gesprächen der Frauen im Urlaub, die sich nur um Kinder, Ehemänner und Haushalt drehen, kann sie kaum mehr etwas anfangen. Sie verbringt viel Zeit mit Robert Lebrun, dem Sohn der Vermieterin und verliebt sich in ihn. Von einem auf den anderen Tag reist Robert ab und verreist für unbestimmte Zeit nach Mexiko. Er weiß, dass diese Liebe nicht sein darf.

Nach der Rückkehr aus dem Sommerurlaub kann Edna nicht mehr in ihren Alltag zurückkehren und bricht aus den ehelichen Strukturen aus. Sie richtet kein Dinner für die Geschäftsfreunde ihres Mannes aus, die Kinder werden zu den Großeltern gebracht und sie beginnt zu malen.

Ein Roman, der mir sehr gut gefallen hat. Ednas Handlungen und Gedanken sind aus heutiger Sicht so nachvollziehbar – damals skandalös. Eine Frau, die nach Jahren feststellt, dass für sie das Lebenskonzept „Kinder, Haushalt und Ehemann“ nicht länger erfüllend ist.

Der Roman erschien 1899 in Amerika und war eine Revolution in Anbetracht der damaligen Konventionen. Im deutschsprachigen Raum wurde er erstmals 1978 veröffentlicht.
Heute gehört der Roman insbesondere in Amerika zum Kanon der feministischen Literatur.

Aus dem amerikanischen Englisch von Melanie Walz und einem sehrklugen Nachwort von Barbara Kingsolver

Rezension zu:
Sehr gelungene Graphic Novel Adaption
von Nicole Koppandi, 18. Juni 2026

Habe gerade die Ghost Stories von Siri Hustvedt gelesen und da hatte es sich angeboten, Paul Austers New York Trilogie wieder zu lesen. Als “Prosa“-Lektüre habe ich mir die Trilogie schon vor ca 20 Jahren zu Gemüte geführt, wobei ich heute wenig Erinnerung daran habe, außer dass es ein absolut geniales Buch war. Diese Graphic Novel-Adaption von „Stadt aus Glas“, „Schlagseiten“ und „Hinter verschlossenen Türen“ ist aber jedenfalls bestens geeignet den Inhalt wieder aufzufrischen.

Alle drei Detektivgeschichten sind so anders und gerade deshalb so besonders – jede einzeln inhaltlich zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen. Nur so viel: jede Geschichte ist genial, surreal und unglaublich gut durchdacht. Die Stimmung ist düster und irgendwie unheimlich, weil die Protagonisten verstricken sich in Obsessionen einerseits und sind andererseits immer einsam. Dabei steigern sie sich gedanklich rein und schon nehmen die Dinge ihren Lauf.

Die Zeichnungen sind alle in schwarz-weiß gehalten, jedoch hat jede der drei Geschichten einen eigenen Stil.

Paul Karasik und David Mazzucchelli ist eine großartige Adaption gelungen, die gut mit dem Original mithalten kann.

Der Standard schreibt in seiner Kritik: „[…] Die literarischen Vorlagen werden in der Comicinszinierung der New-York-Trilogie niemals nur abgebildet, sondern erweitert und in einem ästhetischen Dialog in visuelle Allegorien und eine neue bildliche Sprache übersetzt“ – ich könnte keine besseren Worte zur Charakterisierung dieser Graphic Novel-Adaption finden.

Große Empfehlung!

Aus dem Englischen von Joachim A. Frank

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