Heiter-melancholische Tiergeschichten
von Murksy, 15. Juni 2026
Der leider im September 2015 verstorbene Brian Sewell erzählt in seinem Buch von seiner Tier- und vor allem Hundeliebe. Der Titel nennt zwar nur drei Hunde, in seinem langen Leben hatte Sewell aber laut dem abgebildeten Stammbaum sechzehn. Das ist eine Menge und zeigt, wie vernarrt der bekannte Kunstkritiker in seine Hunde war. Oft war das Tierheim seine Anlaufstation, aber auch von Reisen brachte er Findlinge mit, die ihn viele Jahre begleiteten. Sewell schreibt auch bei allen seinen Hunden, denen jeweils ein kleines Kapitel gewidmet ist, vom Tod des Tieres. Das ist immer wieder traurig und zeigt, dass das Leben vergänglich ist. Aber Sewell liebte das Leben, genau wie seine Hunde und gibt uns vielleicht auch damit etwas Mut, Schicksalsschläge und Verluste zu überwinden. Besonders amüsant ist vor allem für Hundebesitzer die Aufzählung der Eigenheiten der verschiedenen Hunde. Und die langjährige Erfahrung mit seinen Tieren zeigt deutlich, wie unterschiedlich die Charaktere der Hunde waren. Es macht Spaß, den Lebensweg des Hundebesitzers zu begleiten, auch wenn die Freundschaft immer, im Verhältnis zum Menschenleben, von relativ kurzer Dauer ist. Sicher ist aber, das die Tiere bei Sewell ein schönes Leben hatten, geliebt wurden und ihr Hundedasein ausleben durften. Ein schönes, kleines und anrührendes Buch, das auch Nichthundebesitzer gut unterhalten kann. Londonkenner kommen auch auf ihre Kosten, werden doch kleine Eigenheiten der Bevölkerung oder örtliche Gegebenheiten erwähnt. Die Zeichnungen der Hunde im Buch sind einfacher Natur, passen aber gut zur Erzählung. Eine gelungene Rückschau auf ein Leben mit den besten Freunden des Menschen.
Dies ist eine Privatrezension, ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
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Wie die Tiere
von Murksy, 15. Juni 2026
Bevor ich das eigentliche Buch, also den Inhalt bewerte, will ich mich zu der, meiner Meinung nach fragwürdigen Vermarktungstechnik des Ullstein-Verlages äußern. Die Geschichte Insel der Ratten entstand zu Corona-Zeiten, das spiegelt sich in dem Szenario einer Viruserkrankung wieder, die zu einem Zusammenbruch der Zivilisation führt. Bereits 2021 erschien diese Dystopie in einem Sammelband. Aus dieser Kurzgeschichte wurde nun fünf Jahre später plötzlich ein Roman. Dazu nimmt man einfach ein kleines Format, knapp 12 auf 19 cm und packt das Ganze in extra dicke Umschlagpappe. Das ergibt dann ein Einzelbuch zu einem Preis von fast 20 Euro. Nun, Verlage sind Wirtschaftsunternehmen, keine Frage. Trotzdem finde ich diese Entwicklung erschreckend. Erst kürzlich las ich einen Kurzgeschichtenband eines bekannten Autors. Exakt diese Sammlung war bereits ein paar Jahre zuvor unter anderem Titel auf dem Markt. Ich bin gespannt, wann die oben erwähnte Sammlung von Nesbo übersetzt auf den Markt kommt, natürlich wieder mit der Insel der Ratten.
Genug gejammert. Die Geschichte, die Nesbo brillant präsentiert, handelt also vom Zusammenbruch der Zivilisation. Der Mensch wird zum sprichwörtlichen Tier. Es herrscht die Macht des Stärkeren, Gesetze werden nur noch sporadisch eingehalten oder überwacht. Wer Geld hat, versucht zu entkommen oder sich in festungsähnliche Anlagen zu flüchten. Nesbo erzählt schonungslos. Das muss er auch, denn nur so lässt sich die weitere Handlungsweise der Personen verdeutlichen. Trotz aller Brutalität und Unmenschlichkeit, gibt es Hoffnung. Es gibt Menschen, die den Glauben an Gerechtigkeit und Humanität nicht aufgeben wollen. Wie in allen Dystopien gibt es natürlich auch diejenigen, die nur auf ein solches Szenario gewartet haben, um ihre Perversionen und Allmachtsfantasien auszuleben. Der Leser bekommt den Spiegel vorgehalten. Wie würden wir reagieren? Natürlich ist es im bequemen Sessel einfach zu sagen, dass man gegen solche Anwandlungen gefeit ist. Die alte Fangfrage an Kriegsdienstverweigerer, wie sie im Falle eines Angriffes reagieren würden, lässt sich in der scheinbaren Sicherheit der vier Wände moralisch einwandfrei beantworten. Doch die Realität ist eine andere. In die Ecke gedrängt, bedroht, um die Existenz kämpfend, werden wir alle zu Tieren oder wie im Buch sinnbildlich zu Ratten. Man nehme unserer Gesellschaft nur 14 Tage den Strom und alles endet in Anarchie. Diesen inneren Kampf zwischen überleben wollen und dem Versuch, die Grundwerte unserer Demokratie und menschlichen Zusammenlebens zu schützen, wird zur Kernfrage des Buches. Was wäre wenn? Nesbo dreht geschickt an der Schraubzwinge, lässt gleich zwei Personen aus der Ich-Perspektive ihren eigenen Kampf führen und zeigt, das wir letztendlich alles gleich sind, egal ob arm oder reich. Wir sind Tiere, je nach Situation mehr oder weniger und müssen darum kämpfen, das zu verteidigen, was wir Menschlichkeit nennen.
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Faszinierende Winzlinge
von Murksy, 13. Juni 2026
Obwohl ich als Wissenschaftler nicht ganz unbewandert in der Thematik bin, war ich doch sehr überrascht, welche neuen Erkenntnisse die Forschung in den letzten Jahren über Bakterien gewonnen hat. Wohlleben gelingt es in seiner Art wieder hervorragend zu begeistern. Selbstverständlich wird es einige, wenn nicht gar viele, Leser geben, die ihm vor allem in der Frage, ob Bakterien denken oder bewusst handeln esoterische Ansätze vorwerfen werden. Trotzdem sind die Forschungsergebnisse, die unterhaltsam und leserfreundlich, sprich nicht zu wissenschaftlich präsentiert werden ein durchaus weltbildveränderndes Sammelsurium an teilweise kuriosen Entdeckungen. Bakterien, die in Gebieten entdeckt werden, die ganz sicher nicht mit Medikamenten überversorgt sind, und dennoch eine deutliche Antibiotikaresistenz zeigen. Oder Bakterien, die gegen Alkohol eine gewisse Unempfindlichkeit entwickeln. Bakterien, die manipulieren, sich mit anderen Lebewesen quasi verbünden oder gar Krieg gegen andere Arten führen. Interessant auch, dass ca. 99 Prozent aller Bakterienarten noch nicht entdeckt sind. Die Frage, wer die wahren Herrscher der Erde sind, stellt sich nach dieser informativen Reise in die Miniaturwelt auf jeden Fall. Einmal mehr ein Sachbuch, das begeistert, vielleicht in Teilen die Leserschaft spaltet, aber auf jeden Fall Einblicke in ein Forschungsgebiet gibt, das voller Überraschungen und Möglichkeiten steckt. Das einzige Manko des Buches sind die fehlenden Illustrationen. Vor allem für Leser, die mit dem Themengebiet weniger vertraut sind, wären einige Zeichnungen, zum Beispiel um Aussehen der Bakterien oder zum Zellaufbau, hilfreich gewesen.
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Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs
von Murksy, 15. Mai 2026
Nach den ersten Seiten der Geschichte will man die Familie Flynn dysfunktional nennen, was vielleicht eine Spur überzogen wäre. Aber Eltern, die sich auseinandergelebt haben, teilweise keinen Sinn mehr im Leben sehen, drei Töchter, die unterschiedlicher nicht sein könnten, deren Namen und Geburtstage vergessen werden...man sieht das Krisenpotential. Madeleine Cash zaubert aus diesem Familienchaos eine teilweise absurde, witzige, stellenweise überzogene Satire, die im Stil an große Vorbilder wie Irving erinnert. Jede Seite ist voll mit humorvollen, klug konstruierten Sätzen, ein Lesevergnügen vom Anfang bis zum wunderbaren Ende. Dieser chaotische Familienroman ist dabei aber keineswegs nur skurril und satirisch. Die Autorin zeigt dabei eine Lebensweisheit, die man mit ihrem jungen Alter kaum verbinden kann. Vielschichtig und genau blickt sie in die Gefühlswelt der Personen und unter der witzigen Oberfläche finden sich viele Erkenntnisse, die der Leser beim ehrlichen Betrachten auch in seinem Leben finden kann. Ein äußerst gelungener Familienroman, der auch das eine oder andere Klischee der amerikanischen Lebensverhältnisse aufgreift. Für aufmerksame Leser zeigt das Buch auch noch kleine Feinheiten. Das Cover zeigt sowohl die heile Welt, als auch die aufziehenden Gewitterwolken. Und ein kleines Pünktchen über dem c symbolisiert die kirchliche Fliegenplage, herrlich.
Ein Roman, der gut unterhält und uns allen zeigen sollte, das es immer eine Lösung gibt. Vielleicht keine einfache, vielleicht keine, die alle absolut zufriedenstellt, aber auf jeden Fall eine Lösung, nach der es wert ist, zu suchen.
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Klassischer Horror
von Murksy, 15. Mai 2026
Die Geschichte, die so langsam und fast schon gemütlich beginnt, entpuppt sich bald als Horrorroman in der klassischen Stephen-King-Art. Dieser Autor wird im Buch nicht nur zitiert, sondern er durfte auch die Vorabversion des Romans begutachten, wie Linwood Barclay in seiner Danksagung erwähnt. In Teilen erinnert die Handlung und Machart tatsächlich an Needful things. Die Schockmomente des Buches sind perfekt gesetzt, verzichten auf blutige Höhepunkte, treffen durch ihre Platzierung aber perfekt den Nerv des Horrorfans. Alle, die das Buch gelesen haben und einen Thriller oder Krimi erwartet haben, hätten sich vielleicht vorher schlau machen sollen. Der Autor beschreibt genau wie sein Vorbild präzise die kleine, amerikanische Stadt und das schleichende Grauen, das sie befällt. Geschickt und klug wird ein Netz gesponnen, aus dem es weder für den Leser noch die Figuren des Buches ein Entrinnen gibt. So muss ein Horrorroman aufgebaut sein. Sich langsam steigernd, raffiniert geschrieben und immer mit dem Grundrauschen des Bösen, das man erwartet, das einen dann aber doch eiskalt erwischt. Übersetzung und Machart des Buches sind einwandfrei, es gibt keinerlei Druckfehler oder Logiklücken. Einzig mit der Umwandlung des Titels von whistle in Komm spielen muss man sich etwas anfreunden, doch beide passen letztendlich zum Konzept und der Hauptidee des Buches. Wer King und Co. liebt, findet hier neues Lesefutter. Wer dazu noch Fan von Modelleisenbahnen ist, hat doppelt so viel Vergnügen, versprochen.
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Mord in 5 Akten
von Murksy, 19. April 2026
Wer seit Jahrzehnten Krimis liest oder sieht, wird auch mit dieser Grundidee vertraut sein. Jemand ist dem Tode geweiht, bevorzugt durch Gift, und hat eine gewisse verbleibende Zeit, um seinen eigenen Mord aufzuklären. Auch in diesem Buch ist dies die Geschichte. Eine herausragende Köchin arbeitet für eine Milliardärsfamilie. Als diese nach einem Essen vergiftet wird und stirbt, überlebt nur die Köchin. Doch auch sie hat eine geringe, wenn auch tödliche Dosis des Giftes eingenommen. Laut den Ärzten bleiben ihr fünf Tage. Fünf Tage, um den Mord aufzuklären, denn sie gilt natürlich als Überlebende auch als Hauptverdächtige.
Das im Luxusbereich angesiedelte Szenario wird auch durch die in detailverliebter Ausführlichkeit beschriebenen Köstlichkeiten der Köchin verdeutlicht. Der Normalbürger wird niemals mit solchen Speisen in Kontakt kommen, geschweige denn von ihnen gehört haben. Mir geht es ähnlich und die häufige Erwähnung dieser Speisen und Zutaten zeigt entweder, dass die Autorin gerne gut und teuer isst, oder eben gut recherchiert hat. Mir was das etwas zu viel des Guten und füllt eher die Seiten, als dass es dem Krimi auf die Sprünge geholfen hätte. Spannung wird vor allem dadurch erzeugt, dass der Protagonistin die Zeit davonläuft und sie im Ausschlussverfahren versucht, den Täter samt Motiv zu finden. Erschwert wird dies durch den Umstand, dass sie ihr Sterbezimmer nicht verlassen kann. Am besten ist das Buch, wenn die Verzweiflung der Frau zu Tage tritt und sie sich Sorgen um ihre Tochter macht. Dann ähnelt das Buch eher einem Psychodrama. Verstärkt wird diese Hilflosigkeit durch die Erzählweise in der Ich-Perspektive. Allerdings ist das natürlich in Hinblick auf das feststehende Ende ein fragwürdiges Stilmittel. Somit ist ein durchaus interessanter Krimi entstanden, der allerdings einige Längen hat und nicht vollkommen überzeugen kann.
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Alles hängt zusammen
von Murksy, 30. März 2026
Die viel beschäftigte und engagierte Journalistin und Autorin Lea Korsgaard fasst irgendwann den zunächst absurd klingenden Plan, alle dänischen Schmetterlingsarten zu finden, und zwar innerhalb eines Jahres. Eine Laie mag denken, na gut, dann gehe ich halt etwas über Wiesen und Felder, dann wird das schon funktionieren. Nicht ganz, aber fast so naiv ging die Autorin an diese selbstgewählte Aufgabe heran. Jemand der sich mit der Natur oder speziell den Schmetterlingen etwas besser auskennt weiß, dass diese Tiere aber nicht überall und nicht zu jeder Zeit vorkommen. Ganz zu schweigen davon, dass sie von bestimmten Pflanze- oder sogar Ameisenarten abhängig sind. Dieses Wissen musste sich die Autorin im Laufe ihrer Suche aneignen. Dabei hat sie viel gelernt, nicht nur über Schmetterlinge. Titel und Cover des Buches lassen zunächst auf ein reines Naturbuch schließen. Mancher dachte sogar, dies sei ein Roman. Ganz sicher ist es kein Fachbuch über Schmetterlinge geworden, dies war auch nie die Intension der Autorin. Aber was treibt nun einen Menschen dazu, Schmetterlinge zu suchen, jagen oder gar zu sammeln? Einige berühmte Persönlichkeiten der Geschichte, die diesem Hobby verfallen sind, werden im Buch genannt. Ebenso Menschen, die sogar Angst vor Schmetterlingen haben. Der vielleicht bekannteste Patient Freuds hatte panische Furcht vor den geflügelten Insekten. Angst vor gefährlichen Tieren und Situationen mag man mit der genetischen Veranlagung und der Evolution erklären können, die Angst vor Schmetterlingen liegt vermutlich in einem verdrängten, traumatischen Ereignis. Und die Sucht nach Schmetterlingen? Einfacher Jagd- und Sammeltrieb oder auch schon eine krankhafte Obsession? Die Autorin legte tausende Kilometer zurück, nur um Schmetterlinge zu sehen, zu fotografieren und wieder weg zu fahren. Klingt für manche sinnfrei, liest man allerdings das teilweise sehr philosophische Buch der Journalistin, stellt man fest, das der Schmetterling, das uralte Symbol für Wiedergeburt, auch ein Zeichen der Hoffnung ist und die Autorin den weiten Bogen schlägt, wie alles zusammenhängt. Themen wie Krieg, Umweltverschmutzung, menschliche Beziehungen finden genauso Einfluss in das autobiografische Werk, wie die alte Frage was Gott ist? Wenn ich auf einem Berggipfel stehe empfinde ich zugleich eine Weite und Ewigkeit, als auch eine eigene Bedeutungslosigkeit im Angesicht der majestätischen Natur. Ähnlich ging es vielleicht Korsgaard, wenn sie einen seltenen Schmetterling sah. Die Suche nach Schmetterlingen als Suche nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Existenz. Vielleicht. Auf jeden Fall ein Buch, dass sich einreihen darf an Klassiker der Umweltliteratur ala Carson oder Thoreau, ein Anreiz über das Leben und die Natur nachzudenken.
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Etwas zu viel des Guten
von Murksy, 25. März 2026
Mein Sohn, 9 Jahre, hat die gut 90 Seiten gelesen und war etwas ratlos. Relativ viele englische Begriffe ( bye the way, oldschool usw.) und eine Sprache, die für die 8jährige Protagonistin seht entwickelt ist. Auch das abrupt Ende ließ ihn fragend zurück. Nachdem ich das Buch auch gelesen habe, muss ich da zustimmen. Das Buch erzählt von einem kleinen, schlauen Mädchen, das seinen Weg im Leben finden will. Die Erfinderin hadert mit der Welt der Erwachsenen und dem, was daraus für die Kinder entsteht. Freundinnen, die Model werden wollen und sich schlank hungern stehen da in forderster Reihe. Dass das Buch gegen Intervallfasten wettert und Schokolade als den Glücksbringer darstellt, ist zumindest fragwürdig. Mir persönlich kam auch das Wort Sch... zu oft vor. Dir Grundidee, dass jeder so gut ist, wie er ist, punktet. Wie aber das Ganze umgesetzt wurde, ist zumindest für 8 jährige nicht altersgerecht.
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Rasante Achterbahnfahrt
von Murksy, 24. März 2026
Titel und Cover des Buches lassen keinen Zweifel daran, dass die beiden Hauptdarstellerinnen des Thrillers mindestens ein dunkles Geheimnis haben. Was passierte damals bei der unglückseligen Geburtstagsfeier? Und wir Mel, die mittlerweile eine Privatdetektivin ist, ihre verschwundene Freundin Chloe finden? Viele Fragen, die das Buch aufwirft. Und der einfache, aber effektvolle Trick der Autorin, möglichst viele offene Fragen zu präsentieren, was sowohl die Figuren der Geschichte, als auch die Leser auf Trab hält. Bis zur Mitte des Buches darf man fiebrig miträtseln, um was genau es eigentlich geht. Und auch danach wird die Spannung raffiniert aufrecht gehalten, weil ja irgendein Ende der Achterbahnfahrt gefunden werden muss. Ein kurzweiliger Thriller, der gut unterhält und das eine oder andere Klischee bedient. Glücklicherweise hält sich der Anteil, der im Umschlagtext angepriesenen Thriller-Romance in Grenzen. Somit bekommen Thrillerfans gute Kost präsentiert und jede Menge Wendungen, die keine Langeweile aufkommen lassen. Die Figuren sind glaubhaft, wenn sich auch der eine oder andere Verfolger sich eine Spur zu tölpelhaft anstellt. Der Thriller kommt nicht ohne Gewalt aus, aber die hält sich im genreüblichen Rahmen, es gibt deutlich blutrünstigere Bücher auf dem Markt. Wer coole Charaktere, eine wilde Geschichte und einen Hauch von Erotik sucht, darf hier beherzt zugreifen.
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Klassentreffen
von Murksy, 17. März 2026
Winslow vereint in seiner Kurzgeschichtensammlung Protagonisten aus älteren Büchern auf raffinierte Weise. Er bildet Verknüpfungen, lässt die Personen zusammenarbeiten oder miteinander Poker spielen. Das macht ordentlich Spaß, vor allem, wenn man die Charaktere als Fan kennt. Das ist allerdings das Manko des Buches. Denn eingefleischte Leser des Autors werden das Buch schon kennen, es wurde bereits unter dem Titel Broken veröffentlicht. Die Neuauflage geht einher mit der Verfilmung Crime 101 eines bekannten Streaminganbieters. Wer also alle Bücher von Winslow bisher kennt, darf auf diese Sammlung verzichten. Alle anderen erwartet ein typisch rasanter Mix aus knallharter Krimiwelt, detailliert beschriebenen Personen und einem teilweise durchscheinenden Humor, den die lakonischen Ikonen des Schriftstellers mit sich bringen. Winslow drückt wie gewohnt aufs Tempo, jeder Satz sitzt und gerade die Feinheiten geben den Geschichten viel Authentizität. Wenn er zum Beispiel leidenschaftlich die Mitglieder einer Jazzaufnahme beschreibt, hört man beinahe den Swing heraus. Das macht es auch so schwer, die Bücher von Winslow zu verfilmen. Denn ein besseres Kopfkino bekommt man bei der Lektüre des Autors kaum geboten. Wunderbar für Krimifans sind auch die Anleihen und Würdigungen solch großer Namen wie Chandler oder Leonard. Krimifans werden das Buch lieben, Fans von Winslow sowieso. Und für Neulinge ist das Buch der ideale Appetitanreger nach mehr meisterhaften Thrillern des Bestsellerautors.
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