In der Krise
von Island , 12. Juni 2026
Das Cover, der Titel, der Klappentext und auch der Schauplatz des Romans haben mich direkt angesprochen.
Hedda, die Protagonistin, hat eigentlich ein gutes Leben, sie steht kurz vor dem Abschluss ihrer Doktorarbeit und sie und ihr Freund erwarten ein Baby. Doch dann läuft alles plötzlich nicht mehr wie geplant und Heddas Leben gerät ziemlich aus dem Gleichgewicht. Da hilft es auch wenig, dass ihr Vater plötzlich wieder in ihrem Leben auftaucht, der gerne große Pläne schmiedet, ohne, dass viel dahintersteckt.
Grundsätzlich hat mir diese Konstellation gut gefallen und auch den modernen Erzählstil, mit den oft recht verwirrenden Wechseln zwischen der Gegenwart und Heddas Kindheit fand ich interessant und das Chaos in Heddas Leben wiederspiegelnd. Es wird auch sehr gut deutlich, wie dysfunktional Heddas Familie ist und, wie sie das seit ihrer Kindheit geprägt hat. Das traumatische Ereignis, das Hedda so aus der Bahn wirft, wird authentisch und ohne zu beschönigen geschildert, sodass ich mich gut in sie hineinversetzen konnte. Ansonsten bleiben die verschiedenen Charaktere im Roman für meinen Geschmack aber zu blass, ich hätte gerne etwas mehr über sie erfahren, insbesondere den Vater, was er so genau getrieben hat, bevor und während er weg von seiner Familie war.
Rezension zu:
Männer in den Wechseljahren
von Island , 18. April 2026
Bei diesem Roman ist mir direkt das Cover aufgefallen, da es einen Männerkörper mit dem Kopf eines Dachses zeigt. Dass das dazugehörige Hörbuch von Christoph Maria Herbst eingelesen wurde, war ein zusätzlich Indiz für mich, dass mich gute Unterhaltung erwartet.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Henri, um die 50, der Personalchef bei einer Zeitung und seit einigen Jahren von der Mutter seiner erwachsenen Kinder getrennt ist. Nachdem er von einem Date gesagt bekommt, dass er auf seinem, eigentlich aktuellen, Profilbild jünger aussieht, das eine oder andere gesundheitliche Problem bei ihm auftritt, sein Hausarzt ihm schließlich sogar diagnostiziert, dass er sich in den Wechseljahren befindet, stürzt Henri das in eine leichte Krise. Zudem ist ihm zufällig seine Traumfrau begegnet, die aber anscheinend auf jüngere Männer steht. Aber, er gibt nicht auf. Mehr oder weniger hilfreiche Unterstützung leistet ihm dabei sein bester Freund Felix, der in einer On- und Off-Beziehung mit seiner Ehefrau steckt und vorübergehend dann auch mal Unterschlupf bei Henri sucht.
Ich fand den Roman sehr unterhaltsam, weil er beleuchtet, dass nicht nur Frauen Probleme mit dem Älterwerden haben, wobei das Thema nicht bierernst angegangen wird, sondern mit einer ordentlichen Portion Selbstironie auf Seiten von Henri und so einiger skurriler Situationen, insbesondere, wenn Felix beteiligt ist. Die Charaktere sind trotz ihres teils etwas schrulligen, teilweise auch schon übergriffigen Verhaltens liebenswert und der Erzählstil war gut nachvollziehbar und lebendig. Christoph Maria Herbst ist perfekt als Sprecher für dieses Hörbuch geeignet. Seine Vortragsweise passt sehr gut zum Stil der Geschichte. So kann man ihm angenehm zuhören und wird gut unterhalten.
Rezension zu:
Glück und Unglück
von Island , 18. April 2026
Daniel Specks neuester Roman handelt auf zwei Zeitebenen, beginnend gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Valeria und ihre Mutter haben nach dem Tod von Valerias Vater in der Villa Rivolta in Mailand Zuflucht gefunden, wo ihre Mutter als Hausangestellte arbeitet. Der findige Mailänder Unternehmer, dem die Villa gehört, hat einen Sohn, Piero, der genauso alt wie Valeria ist und so beginnt eine Freundschaft, die die beiden auch durch ihr weiteres Leben begleitet, auch wenn sie immer wieder unterschiedliche Wege gehen.
Auf der zweiten Zeitebene hat Valeria dann einen Sohn im Teenageralter, der sich gerade mächtig Ärger eingehandelt hat, und sucht mit ihm Zuflucht bei Piero, wo beide dem Jungen dann mehr und mehr über die Vergangenheit ihrer Familien erzählen.
Der Roman nimmt den Leser mit in die Vergangenheit Italiens, einerseits in die Wirtschaftswunderjahre nach dem Krieg und das Dolce Vita einer wohlhabenden Familie, aber auch zu den Arbeiteraufständen und der Diskriminierung von Menschen aus Süditalien auf der anderen Seite. Ich fand es sehr interessant, mehr über diese Zeit und das Leben in Italien damals zu erfahren. Valeria und Piero sind mir ans Herz gewachsen, wie sie es geschafft haben, immer "nur" Freunde zu bleiben, die sich aufeinander verlassen können, egal was ist. Was den Schreibstil angeht, finden sich sehr viele gelungene sprachliche Bilder und auch passend gewählte Zitate, was mir sehr gut gefallen hat.
Ich habe die Geschichte als Hörbuch angehört, das von Daniel Speck selbst gelesen wird, was ihm gut gelungen ist. Er fängt die Atmosphäre ein und man kann ihm angenehm folgen.
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Seilschaften
von Island , 18. April 2026
Bei "Schattenmädchen" handelt es sich um den dritten Teil einer Krimireihe um die Ermittelnden Fredrika Storm und Henry Calment. Das Cover passt prinzipiell gut zu einem skandinavischen Krimi, allerdings kam mir die überwiegende Mehrzahl der Handlungsorte eher urban vor, sodass ich eine etwas andere Gestaltung treffender gefunden hätte.
Was die Handlung angeht, verschwindet zunächst die Studentin Isabelle Karlsson, nachdem sie zuletzt auf der Feier eines schwedischen IT-Start-ups, das kurz vor dem Verkauf an einen chinesischen Investor steht, fotografiert wurde. Dessen charismatischer CEO Martin Zenberg gerät unter Verdacht, etwas mit dem Verschwinden von Isabelle zu tun zu haben, zumal Frederika Storm einen Hinweis erhält, dass er während seiner Studentenzeit an der Universität Lund schon einmal an einer Party beteiligt war, nach der eine junge Studentin tot aufgefunden wurde.
Bei den Ermittlungen im Universitätsumfeld stoßen Frederika Storm und Henry Calment dann auch auf geheime Studentenverbindungen, deren Mitglieder auch lange nach dem Studium großen Einfluss in wichtigen ausüben und über Einstellungen und Karrierechancen entscheiden.
Die Thematik um diese geheimen Bünde an der Hochschule Lund fand ich sehr interessant und hätte gerne noch mehr über konkrete Vorfälle und Grenzüberschreitungen erfahren. Etwas zu ausufernd wurde mir dagegen auf die privaten Probleme der beiden Ermittelnden und die drückende Sommerhitze eingegangen, die ihre Arbeit erschwert. Der Schreibstil der Autorin war aber gut lesbar und der Ausgang des Falles relativ wenig vorhersehbar.
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Unverbindlich
von Island , 12. April 2026
Bei diesem Roman haben mich der modern formulierte Titel und die Covergestaltung direkt angesprochen und auch der Klappentext hat mein Interesse geweckt. Auch den Schauplatz Australien fand ich interessant.
Im Mittelpunkt der Handlung steht zunächst Maxine, die vor kurzem erfahren hat, dass sie einen Tumor im Kopf hat und operiert werden muss und kurz nach der Diagnose auch noch von ihrem Freund betrogen wird. Sie zieht daraufhin bei ihrer Freundin Alice ein und lässt sich von ihr überreden, sich bei Tinder anzumelden. So lernt sie Johnny kennen, der gleich schreibt, dass er sich nicht binden will. Sie schreiben nur und treffen sich nicht, verstehen sich aber überraschend gut und beschließen, getrennt voneinander die Rezepte aus dem "heiligen" Familienkochbuch von Max Exfreund nachzukochen. Das lenkt Max von ihrer riskanten OP ab, die aber doch immer näher rückt.
Die Grundidee hinter dem Roman hat mir sehr gut gefallen, dass nicht alles eitel Sonnenschein ist, die Protagonistin nicht nur verlassen wird, sondern auch mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, sorgt für zusätzlichen Tiefgang. Max ist mir auch sehr sympathisch. Johnny ebenfalls und die Idee, dass sie sich nicht treffen, sondern diese Koch-Challenge ins Leben rufen, gefällt mir gut. Auch der Schreibstil ist modern und gut lesbar und stellenweise trotz manch ernster Themen auch humorvoll. Der Aufbau der Handlung hat mich jedoch nicht so überzeugen können, die mittlere Passage passt für mich nicht so recht zur Geschichte insgesamt, ich hätte es besser gefunden, wenn der Fokus stattdessen noch mehr auf den restlichen Unterthemen und Personen gelegen hätte. Am Ende sind noch Rezepte angefügt, die eine Verbesserung der Rezepte aus dem Familienkochbuch darstellen sollen, wie Max und Johnny sie optimiert haben. An sich eine nette Idee, für mich persönlich aber kein zusätzlicher Gewinn, da fast alle Tierprodukte in größeren Mengen enthalten. Das ist sicher Geschmackssache, andere Leser:innen können wahrscheinlich mehr damit anfangen und schätzen dieses Feature.
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Entführt
von Island , 30. März 2026
Bei "Ungelöst - Die erste Zeugin" handelt es sich um den ersten Teil einer neuen Reihe des Bestseller-Autors Arno Strobel. So hat dann auch die Covergestaltung eine gewisse Ähnlichkeit zu vorherigen Thrillerreihen des Autors.
Der Münchener Hauptkommissar Ramin Brunner hat gerade erfahren, dass er zu einer Cold-Case-Einheit wechseln soll, zuvor wird er aber dann noch bei einem aktuellen Entführungsfall gebraucht. Es wird vermutet, dass der Psychiater Dr. Joachim Lichner seine frühere Lebensgefährtin entführt hat, da diese als vermisst gemeldet wurde. Luisa Menkhoff wurde als Fünfjährige ebenfalls von Lichner entführt, weshalb ihr mittlerweile verstorbener Vater als Kommissar alles daran gesetzt hatte, dass dieser eine angemessene Bestrafung erfährt. Nun hat Luisa ihr Medizinstudium abgeschlossen und meldet sich bei der Polizei, als sie erfährt, dass die Ex-Partnerin ihres Entführers verschwunden ist. Luisa hat ein extrem gutes Gedächtnis und kann sich noch detailgetreu an vieles von damals erinnern. Es kommt im weiteren Verlauf jedoch noch zu weiteren Entführungen.
Der Thriller weist, wie von Arno Strobel gewohnt, immer wieder überraschende Wendungen auf, sodass er lange spannend bleibt. Manches ist für meinen Geschmack aber etwas zu durchkonstruiert. Da es der erste Teil ist, werden nach und nach die künftigen Ermittelnden eingeführt. Die drei männlichen Polizisten, die das neue Team bilden, haben alle ihre Ecken und Kanten und sind mir bis jetzt sympathisch. Dass auch Luisa Menkhoff parallel zu ihrer Ausbildung zur Ärztin so stark in die Ermittlungen involviert wurde und wohl auch künftig einbezogen werden soll, erscheint mir dagegen nicht vollkommen realistisch.
Dem Schreibstil von Arno Strobel konnte man aber gut Folgen und er beschreibt die verschiedenen Szenen und Schauplätze auch sehr anschaulich. Der Sprecher des Hörbuchs trägt jedoch nochmal einen wesentlichen Teil dazu bei, dass man beim Zuhören von der Geschichte gefesselt wird und die Spannung immer weiter steigt. Dieser wurde sehr passend ausgewählt.
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Verbotene Liebschaften in Paris
von Island , 30. März 2026
Im Mittelpunkt dieses neuen Romans von Antonia Wesseling steht das traditionsreiche Modehaus Bouttier aus Paris. Elodie, die Enkelin der Besitzer, war schon lange nicht mehr in Frankreich, reist aber nun mit Schwester und Vater an, weil das Unternehmen in Schwierigkeiten steckt. Sie selbst hat privat ebenfalls Probleme. Ihre Sportkarriere liegt wegen einer Verletzung auf Eis und ihr Freund hat sie gerade mit einer guten Freundin betrogen.
In Paris steht Elodie dann schnell zwischen zwei Männern, Adam le Blac, den Erben des Konkurrenz-Labels und ihrem Adoptiv-Cousin Gabriel, mit dem sie in ihrer Kindheit ein sehr inniges Verhältnis verband.
Grundsätzlich hatte ich mir vom neuesten Roman der Autorin etwas mehr Modewelt erwartet. Dafür war mir dann der Spice-Anteil zu hoch und ich konnte auch nicht so recht nachvollziehen, warum Elodie sich ausgerechnet von ihrem Adoptiv-Cousin angezogen fühlt. Bei Adam le Blanc fiel mir das leichter, aber das mit Gabriel, mit dem sie quasi aufgewachsen ist, als Cousin und Cousine, ist mir too much. Auch ihre berufliche Orientierungslosigkeit, einerseits mit der aufgegeben Sportkarriere und andererseits (bisher) kein allzu erkennbares Interesse am Modeunternehmen der Familie, war mir etwas viel. Der Schreibstil der Autorin war aber auch diesmal gut lesbar. Beim Hörbuch kommen zudem für alle drei Protagonist:innen verschiedene Sprecher:innen zum Einsatz, was für Abwechslung sorgt.
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Um jeden Preis
von Island , 30. März 2026
Das Cover ist durch die Farbwahl definitiv auffällig gestaltet. Das im Mittelpunkt der Handlung stehende Haus kommt darauf vor, aber auf eine sehr vereinfachte, abstrakte Weise. Dadurch kann sich jede:r ein eigenes Bild davon machen, was ein Haus zum Traumhaus macht.
Margo hat einen Ehemann, der aus halbwegs gut situierten Verhältnissen stammt und eine nette Familie hat und einen Job im PR-Bereich. Allerdings gehören zu ihrem Lebensentwurf auch ein repräsentatives Haus und ein Kind und bei beiden hinkt sie ihrem selbst gesteckten Zeitplan hinterher. Was Häuser angeht, ist der Markt um Washington sehr angespannt und immer wieder wurden sie und ihr Mann durch höhere Gebote ausgestochen, obwohl sie ihr Limit bis zur Schmerzgrenze erhöht haben. Nun hat sie durch einen Insider-Tipp erfahren, dass ein absolutes Traumhaus bald zum Verkauf steht und versucht zunächst mit Hilfe von Stalking und einer vorgetäuschten Freundschaft zu den Besitzern, dieses Immobilie kaufen zu können, bevor sie offiziell auf den Markt kommt. Als sie damit nicht erfolgreich ist, greift sie zu immer extremeren Methoden, um den Zuschlag für das Haus zu bekommen und steigert sich mehr und mehr in ihre Obsession hinein, was weder gut für ihre Beziehung noch für ihre Arbeit ist.
Mir hat die Geschichte gut gefallen, auch wenn es vielleicht kein klassischer Psychothriller ist. Trotz ihres Wahnsinns konnte ich mich mich gut in Margo hineinversetzen, wie sie sich nach den vielen Misserfolge immer mehr hineinsteigert, nun dieses Haus bekommen wollen. Dabei ist sie dann nicht mehr wirklich vernunftgesteuert und Moral spielt keine Rolle mehr. Wie genau alles ausgeht, war für mich nicht vorhersehbar, dass die Protagonistin am Ende erklärt, warum sie genau so handeln musste, wie sie es getan hat, obwohl es anders eigentlich logischer gewesen wäre, empfand ich als stimmige Abrundung. Auch grundsätzlich empfand ich den Charakter von Margo mit ihrer Familiengeschichte und den damit verbundenen Komplexen als sehr stimmig ausgestaltet. Die Nebenfiguren blieben dagegen etwas blass, aber das war wahrscheinlich auch die Absicht. Der Schreibstil der Autorin war gut verständlich und die Hörbuchsprecherin war zur Geschichte und ihrer Hauptperson passend gewählt. Man konnte sich so von der Story fesseln lassen beim Zuhören.
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Mutterrolle
von Island , 16. März 2026
Die Covergestaltung dieses Romans hat mich neugierig gemacht, da sie recht auffällig ist, sowohl was die Abbildung als auch, was den Titel angeht. Nun, nach dem Lesen, weiß ich auch, dass es eine Verbindung zwischen dem Inhalt und dem gelben Vogel gibt.
Im Mittelpunkt des Roman, der ein bisschen wie ein Kammerspiel gestaltet ist, stehen zwei Paare. Matze und Felix sind Jugendfreunde. Felix hat es zu recht viel Geld gebracht und ist mit der einige Jahre jüngeren gut aussehenden Eva verheiratet, mit der er einen vierjährigen Sohn und ein weiteres Kind im Säuglingsalter hat. Er hat Matze und seine Freundin Linn zu einem Urlaub in einem teuren Ferienhaus in Südfrankreich eingeladen. Matze und Linn wünschen sich ein Kind und stecken gerade in einer Kinderwunschbehandlung. Im gemeinsamen Urlaub offenbaren sich insbesondere den beiden Frauen mehr und mehr Dinge, die sie sie von der jeweils anderen nicht erwartet hätten.
Ich fand das Setting des Romans mit den beiden Paaren im teuren Ferienhaus und dem unerfüllten Kinderwunsch auf der einen und der vermeintlich "glücklichen Familie" auf der anderen Seite sehr interessant. Zunächst hat mir auch sehr gut gefallen, wie sich nach und nach alles entwickelt hat. Gegen Ende wurde mir das, was passiert ist, aber teils zu abstrus und der Ausgang hat mich dann auch eher ratlos zurückgelassen. Hier wäre etwas weniger, gerade bei einem doch recht ernsten Thema, wie ungewollter Kinderlosigkeit, mehr gewesen. Zudem blieben für mich auch ein paar Leerstellen zu viel, was die Vorgeschichte mancher Personen angeht. Gut gefallen hat mir jedoch der moderne und anschauliche Schreibstil mit vielen passenden sprachlichen Bildern, sodass ich mich gut in die Situationen hineinversetzen konnte.
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Wendepunkt
von Island , 16. März 2026
"Die Liebe, später" ist nicht der erste Roman, den ich von der Autorin gelesen, beziehungsweise gehört habe. Das Cover ist im Stil eines Gemäldes in recht intensiven Farben gehalten und lässt klar erahnen, dass eine weibliche Hauptperson, die dem Teenageralter schon etwas länger entwachsen ist, im Mittelpunkt der Handlung steht.
Die Radio-Journalistin Kora ist seit über 20 Jahren mit dem Biologen Anselm verheiratet, den sie kennenlernte, als sie um die 40 war und gerade ein traumatisches Beziehungsende hinter sich hatte. Kinder haben die beiden keine und ihre Ehe war eine Wochenend-Beziegung, da Anselm unter der Woche in Berlin arbeitete und Kora in Köln. Nun hat Kora eine aufwendige Herz-OP hinter sich, ihr Arbeitgeber möchte sie aufs Abstellgleis schieben und Anselm geht in Rente und möchte im Garten des gemeinsamen Hauses einen Schwimmteich anlegen.
Kora ist mit all dem überfordert und weiß nicht, ob sie sich ihr weiteres Leben nicht anders vorstellt. Zunächst flüchtet sie sich in ein neues "Projekt", indem sie einen Bekannten bei der Suche nach seiner verschollenen Partnerin unterstützt, stößt aber auch dabei auf Punkte, die sie zum Nachdenken über ihr eigenes Leben anregen. Sie fängt an, mit bisher nicht richtig aufgearbeiteten Ereignissen aus ihrer Vergangenheit abzuschließen, was aber wiederum die Distanz zwischen ihr und Anselm zunächst vergrößert.
Die Autorin erzählt die Geschichte sehr feinfühlig, sodass ich mich gut in Kora hineinversetzen konnte, auch wenn sie doch einige Jahre älter ist, als ich selbst. Dazu beigetragen haben auch die verschiedenen Zeitebenen, immer wieder gab es Rückblicke in Koras Kindheit, Studienzeit und allgemein die Phasen, bevor sie Anselm kannte. So erfuhr man nach und nach mehr darüber, warum Kora nun mit allem hadert und was sie geprägt hat. Die Sprecherin des Hörbuchs war passend zu dieser Geschichte gewählt und man konnte ihr gut zuhören und folgen.
Rezension zu: