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Nichts Neues
von LeserinLu , 2. August 2026

Rutger Bregman gehört zu den Sachbuchautoren, deren Bücher ich bisher immer sehr gerne gelesen habe. Bei „Die Rückkehr der Hoffnung“ bleibt bei mir allerdings vor allem der Eindruck, dass dieses Buch weniger neue Gedanken entwickelt, sondern vielmehr bekannte Ideen aus seinen früheren Werken bündelt und schnell zugänglich aufbereitet.

Wer bereits „Im Grunde gut“, „Utopien für Realisten“ und „Moralische Ambition“ gelesen hat, wird hier vieles wiedererkennen. Bregman greift erneut Themen wie Demokratie, soziale Gerechtigkeit und einen radikalen Humanismus auf und verbindet sie mit autobiografischen Anekdoten, aktuellen politischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Fakten. Wirklich neue Impulse konnte ich dabei allerdings nur selten entdecken.

Das ist aber keineswegs ein Nachteil für alle Leser:innen. Gerade wer Bregman bisher noch nicht kennt und keine Lust hat, sich durch seine umfangreicheren Bücher zu arbeiten, findet hier einen gut verständlichen Einstieg in sein Denken. Wie gewohnt schreibt Bregman sehr zugänglich und unterhaltsam. Auch wenn ich Bregmans Analysen und Schlussfolgerungen nicht immer teile, eröffnen seine Texte oft neue Perspektiven, ohne dass man am Ende in allem zustimmen muss.

„Die Rückkehr der Hoffnung“ ist also für mich kein Muss für langjährige Bregman-Leser:innen, wohl aber eine gute, kurze Einführung in sein Denken.

Rezension zu:
Moderne Romcom
von LeserinLu , 30. Juli 2026

In „Das Projekt“ fasst Daisy nach einem katastrophalen One-Night-Stand mit James einen Entschluss: James soll lernen, ein besserer Mann zu werden. Doch je erfolgreicher das Projekt wird, desto komplizierter werden Daisys eigene Gefühle. Klingt nach einem interessanten Plot und ich habe tatsächlich hier auch genau das bekommen, was ich von einer modernen Romcom erwarte - gerade, weil Männlichkeitsbilder und Beziehungen hinterfragt werden!

Besonders gefallen hat mir Daisy als Protagonistin. Sie ist sympathisch, selbstironisch und herrlich unperfekt mit einem modernen Blick auf Feminismus, Dating und Rollenbilder. Auch James hat mich positiv überrascht. Anfangs wirkt er wie der Inbegriff einer red flag, um die man lieber einen großen Bogen machen würde. Gerade deshalb macht es Spaß, seine Entwicklung zu verfolgen. Die Dynamik zwischen ihm und Daisy ist glaubwürdig, sodass ich den beiden sehr gerne beim Annähern zugesehen habe.

Das London-Setting, das an Chicklit wie Bridget Jones oder die Shopaholic-Romane erinnert, trägt zusätzlich zum Charme des Romans bei. Die Geschichte liest sich leicht und flüssig, die Dialoge sind witzig und die Nebenfiguren sind, gerade weil sie teilweise klischeehaft sind, zusätzlich unterhaltsam. Für mich war das eine der originellsten Liebesgeschichten der letzten Zeit. Das war gute Unterhaltung!

Rezension zu:
Berührend
von LeserinLu , 29. Juli 2026

„All die Farben, all das Licht“ ist ein ungewöhnlicher Coming-of-Age-Roman, der von zwei Schwestern erzählt. Gleichzeitig geht es um Kunst, Krankheit, Identität und die Frage, wie man seinen Träumen treu bleiben kann, wenn einem der eigene Körper einen Strich durch die Rechnung macht..

Besonders interessant fand ich die Figur der Juna. Ihre Leidenschaft für die Malerei, ihre Bewunderung für die Künstlerin Lotte Laserstein und ihr Umgang mit dem fortschreitenden Usher-Syndrom bilden für mich das Zentrum des Romans - und ihrer Familie. Gerade die Vorstellung, als angehende Malerin nach und nach das Augenlicht zu verlieren, fand ich sehr berührend. Gleichzeitig gerät Marthas Geschichte dadurch etwas an den Rand, so wie es Martha auch als kleiner Schwester innerhalb der Familie ergeht.

Die Kapitel wechseln zwischen den Perspektiven von Juna und Martha. Dadurch erhält man einen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und versteht nach und nach, warum die beiden so oft aneinander vorbeireden. Besonders gelungen fand ich, dass gegen Ende auch der Vater kurz zu Wort kommt. Die Atmosphäre des Romans ist ruhig und oft nachdenklich. Dabei ist der Schreibstil angenehm flüssig und unaufgeregt.

„All die Farben, all das Licht“ ist eine berührende Familiengeschichte über Schwesternschaft, das Erwachsenwerden und die Kraft der Kunst, der außerdem das Usher-Syndrom für ein breites Publikum verständlich macht!

Rezension zu:
Anspruchsvoll
von LeserinLu , 26. Juli 2026

„Mädchen allein zu zweit“ erzählt von den zwei Freundinnen Issa und Grace, die sich mit Themen auseinandersetzen müssen, mit denen Jugendliche eigentlich nicht allein gelassen werden sollten: Armut, Klassismus, gesundheitliche Ungleichheit und die Frage, wer sich in unserer Gesellschaft eigentlich ein gutes Leben leisten kann. Daneben geht es um die ganz typischen Adoleszenz-Themen: Identität, erste Liebe, Zugehörigkeit.

Besonders gut gefallen hat mir die Dynamik zwischen den beiden. Ihre Freundschaft wirkt authentisch, ihre Dialoge sind lebendig und ihre Entscheidungen nachvollziehbar. Gerade weil der Roman die Perspektive zweier Jugendlicher einnimmt, werden gesellschaftliche Ungerechtigkeiten sehr greifbar. Auch sprachlich hat mir der Roman gefallen. Der Schreibstil liest sich flüssig und authentisch und überrascht immer wieder mit originellen literarischen Einfällen.

Ein wenig zwiegespalten bin ich allerdings bei der Zielgruppe. Der Roman richtet sich an Jugendliche ab 14 Jahren, setzt stellenweise aber ein hohes Vorwissen voraus. Wenn ganz selbstverständlich auf philosophische Konzepte wie Rawls' „Schleier des Nichtwissens“ angespielt wird, habe ich mich gefragt, ob viele Leser:innen dieses Alters die Anspielungen überhaupt einordnen können und ob sie nicht genervt von den Belehrungen des Lehrers im Roman sein werden. Die Figur des Politiklehrers fand ich nämlich auch weniger gelungen. Über ihn werden immer wieder gesellschaftstheoretische Positionen vermittelt, allerdings auf eine Weise, die auf mich wenig glaubwürdig wirkte. Ein guter Politikunterricht lebt von kontroversen Perspektiven und eigener Urteilsbildung, ein echter Politiklehrer würde Jugendlichen seine persönliche Weltsicht nie so eindeutig vorgeben. Diese Passagen wirkten deshalb eher wie ein Sprachrohr für den Roman als wie authentische Unterrichtssituationen..

Trotz dieser Kritikpunkte hat mir „Mädchen allein zu zweit“ gut gefallen. Es ist ein kluger Jugendroman über Freundschaft, soziale Ungleichheit und die Frage, welche Chancen Menschen eigentlich haben, wenn sie nicht mit den gleichen Voraussetzungen ins Leben starten. Ich habe Roman und Hörbuch ergänzend zueinander gelesen und fand auch das Hörbuch sehr angenehm.

Rezension zu:
Sommerroman mit Tiefgang
von LeserinLu , 24. Juli 2026

„Tage am Fluss“ war für mich ein netter Sommerroman, der Naturverbundenheit, zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Themen miteinander verbindet. Trotz dieser vielen Themen lässt er sich leicht lesen und schon nach wenigen Seiten war ich in der Geschichte angekommen. Sara lebt ein Leben, das gleichzeitig idyllisch und einsam wirkt. Mit ihrer kleinen Fähre, den Schafen, Hühnern und ihrer Hündin scheint sie ihren Platz gefunden zu haben, doch nach und nach wird deutlich, dass hinter ihrer Zurückgezogenheit eine schmerzhafte Vergangenheit steckt. Sie nimmt Leon bei sich auf. Seine Geschichte als Klimaaktivist wirkte glaubwürdig und ich konnte ihn mir sehr gut als Teil einer Klimagruppe an der Uni Hamburg vorstellen. Ich mochte, wie beschrieben wird, wie beide sich annähern und unerwartet Verständnis beim anderen finden.

Die beiden geraten außerdem mit der Dorfgemeinschaft des nächsten Ortes in einen Konflikt um eine geplante Brücke, sodass schnell deutlich wird, dass der Roman mehr sein möchte als die Geschichte von Leon und Sara. Er erzählt auch von der Frage, welchen Wert Natur hat, wie unterschiedlich Generationen auf die Klimakrise blicken und warum viele junge Menschen so große Zukunftsängste haben. Das gelingt, ohne allzu belehrend zu wirken, wobei es den Roman teilweise schon thematisch überfrachtet.

Sprachlich war mir der Roman stellenweise etwas zu blumig. Manche Beschreibungen hätten für meinen Geschmack etwas knapper sein dürfen und an einigen Stellen wurde eher erklärt als gezeigt. Gleichzeitig hat mich das aber auch nicht wirklich gestört. Insgesamt habe ich das Buch dennoch sehr gerne gelesen. Es ist ein ruhiger, stimmungsvoller Roman, durch den ich nur so hindurchgeflogen bin. Wer Geschichten über Natur, zweite Chancen und gesellschaftliche Fragen mag, findet hier eine schöne Sommerlektüre mit Tiefgang. Sie könnte außerdem dazu geeignet sein, Menschen für die Klimaangst junger Menschen zu sensibilisieren.

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Anspruchsvoll
von LeserinLu , 20. Juli 2026

Im Mittelpunkt von „Wildboden“ stehen Maler Ernst Ludwig Kirchner und seine Lebensgefährtin Erna Schilling. Ihre Geschichte war mir vor der Lektüre völlig unbekannt und genau das hat den Roman für mich so interessant gemacht. Constantin Lieb verbindet historische Fakten mit literarischer Fiktion und zeichnet das Porträt einer außergewöhnlichen Beziehung vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche der 1930er-Jahre in der Schweiz, die mir auch vorher noch nicht so bewusst waren.

Stilistisch ist „Wildboden“ durchaus anspruchsvoll. Die Sprache ist ruhig und literarisch, die Erzählweise erfordert Konzentration. Gerade das hat mir gefallen, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass Leser:innen mit einem größeren kunsthistorischen Hintergrund vermutlich noch mehr aus dem Roman mitnehmen können. Viele Bezüge zu Kirchners Werk und zur Kunst seiner Zeit erschließen sich sicher noch besser, wenn man sich mit dem Thema bereits auskennt. Außerdem kann man dann wahrscheinlich Fakten und Fiktion besser auseinanderhalten. Dennoch hat mich das Buch auch ohne dieses Vorwissen überzeugt.

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Witzig und realistisch
von LeserinLu , 18. Juli 2026

In dem Roman „Laura Clark ist dann mal weg“ geht es um das Gedankenexperiment, was passieren würde, wenn die Person, die im Hintergrund immer alles zusammenhält, plötzlich einfach verschwindet. Laura selbst bleibt im Roman über weite Strecken abwesend. Statt ihre Geschichte direkt zu erzählen, setzt sich nach und nach aus den Perspektiven der Menschen um sie herum zusammen, warum sie verschwunden ist. Dieses erzählerische Konzept hat mir richtig gut gefallen. Mit jedem Kapitel wird deutlicher, wie sehr Laura das Leben aller anderen organisiert, getragen und zusammengehalten hat und wie selbstverständlich ihre Arbeit für alle geworden ist.

Besonders unterhaltsam fand ich die Kapitel aus der Sicht ihres narzisstischen Ehemanns Mark. Das war vielleicht etwas überzeichnet, aber trotzdem steckt hinter dieser Karikatur eines Ehemanns eine kluge Auseinandersetzung mit unbezahlter Carearbeit, mentaler Last und den oft unsichtbaren Aufgaben. Gerade diese Mischung aus Witz und Tiefgang hat mich überzeugt. Der Roman hält niemandem belehrend den Spiegel vor, sondern zeigt durch seine Figuren und ihre Reaktionen, was passiert, wenn all die kleinen Dinge plötzlich nicht mehr erledigt werden.

„Laura Clark ist dann mal weg“ liest sich leicht und humorvoll, regt aber gleichzeitig zum Nachdenken über Rollenbilder und Wertschätzung an. Hat mir richtig gut gefallen!

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Schön cozy
von LeserinLu , 14. Juli 2026

Im Mittelpunkt des Romans steht ein eigenwilliger Buchclub, dessen Mitglieder unterschiedlicher kaum sein könnten. Von der Agatha-Christie-liebenden Rentnerin über den schüchternen Teenager bis hin zur neuen Buchclubleiterin bringt jede Figur ihre ganz eigene Persönlichkeit mit. Die Charaktere sind skurril, nur selten überzeichnet und wirken liebenswert und authentisch. Besonders als Vielleserin hatte ich außerdem Spaß daran, die vielen Verweise auf bekannte Bücher und Krimis zu entdecken.

Auch der eigentliche Kriminalfall konnte mich gut unterhalten. Die Ermittlungen verlaufen in klassischer Cozy-Crime-Manier mit viel britischem Humor, sympathischen Hobbydetektiv:innen und ohne übertriebene Brutalität. Im Vordergrund stehen die Figuren und ihr Miteinander, also genau das, was ich mir von diesem Genre wünsche. Besonders positiv überrascht hat mich dabei das Ende. Es verzichtet auf unnötige Klischees und wählt stattdessen eine Auflösung, die für mich stimmig und erfrischend anders war. Das hat den Roman für mich noch einmal aufgewertet.

„Mord ohne Vorwort“ ist genau die Art von Wohlfühlkrimi, die ich gerne lese: charmant, humorvoll, voller Bücherliebe und mit Figuren, mit denen man am liebsten selbst im Buchclub sitzen würde.

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Besondere Liebesgeschichte
von LeserinLu , 12. Juli 2026

Ich bin einfach Fan von Annika Büsing: Mit ihrer reduzierten, pointierten Sprache erzählt sie eine Liebesgeschichte, die ganz unaufgeregt daherkommt und mir gerade deshalb so gefallen hat.

Die beiden Protagonisten Marie und Magisch waren mir sofort sympathisch, weil sie beide offen und ehrlich kommunizieren und sich außerdem für ihre Mitmenschen einsetzen. Marie ist selbstbewusst und schlagfertig, Magisch einfach eine absolute green flag. Ich fand es sehr erfrischend, mal nicht über eine toxische oder romantisierte Liebesbeziehung zu lesen, sondern einfach über ein authentisches Paar, das ohne großes Drama wieder zusammenfindet.

Es geht außerdem auch noch um Geschwisterliebe, um Loyalität, um den Rechtsruck in unserer Gesellschaft und um die Frage, wie weit familiäre Verbundenheit reichen kann, wenn politische Überzeugungen unüberbrückbar erscheinen. Dabei wirkt nichts belehrend oder konstruiert. „Magisch“ ist damit auch ein Roman, der Mut macht für die eigenen Überzeugungen einzustehen, Haltung zu zeigen und für die Menschen zu kämpfen, die einem wichtig sind. Empfehlung!

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Nichts für schwache Nerven
von LeserinLu , 8. Juli 2026

„Honey“ ist definitiv kein Roman für schwache Nerven. Zwischen expliziter Gewalt, schwarzem Humor und akademischen Exkursen entsteht eine Mischung, die mich immer wieder überrascht und auf keiner Seite gelangweilt hat.

Im Mittelpunkt steht Yrsa, Doktorandin in Cambridge, die sich in einer Welt behaupten muss, die von Machtgefällen, Rassismus und Sexismus geprägt ist. Als ein Professor die Forschungsergebnisse ihrer Freundin für sich beansprucht und schließlich durch einen scheinbar harmlosen Streich Yrsas stirbt, gerät eine Spirale aus Gewalt und Rache in Gang.

Was mir besonders gefallen hat, ist die ungewöhnliche Erzählweise. Einerseits ist der Roman stellenweise sehr derb und explizit, andererseits gibt es immer wieder überraschend akademische Passagen durch Einblicke in Yrsas Doktorarbeit, die dem Roman eine weitere Ebene geben. Diese Verbindung aus Campusroman, Thriller und Gesellschaftskritik habe ich so noch nicht gelesen. Yrsas Radikalität und ihre moralischen Grauzonen werfen immer wieder die Frage auf, wie Menschen mit struktureller Ungerechtigkeit umgehen und wann der Wunsch nach Gerechtigkeit in etwas anderes umschlägt.

„Honey“ ist sicher kein Buch für jede:n. Wer eine klassische Thrillerhandlung oder einen geradlinigen Campusroman erwartet, könnte überrascht werden. Wer sich aber auf diese ungewöhnliche Mischung einlässt, bekommt einen provokanten und stellenweise verstörenden Roman, der definitiv nicht langweilig ist.

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