Eine Tat wie eine Rätselbox
von beavielleser , 22. Oktober 2026
Nach dem Tod der Mutter versucht Odette ihr Leben in den Griff zu bekommen. Sie hat keine Freunde und nie gelernt wie man soziale Kontakte knüpft. Ihre ganze Kindheit war davon geprägt sich an neuen Orten zurecht zu finden, da ihre Mutter immer auf der Flucht war - vor Gläubigern, dem Jugendamt oder Liebhabern.
Odette organisiert ihr Leben neu, zieht in ein kleines Zimmer, versucht einen Job zu finden und soziale Kontakte zu knüpfen, aber das ist alles nicht so einfach und dann lernt sie Amor kennen.
Er ist nett zu ihr und so freut sie sich sehr über die neue Freundschaft. Odette ist endlich glücklich, sie verbringt gerne Zeit mit Amos, obwohl er so viel älter ist als sie. Mit ihm ist es nicht langweilig. Er erklärt ihr viele Dinge, schenkte ihr Bücher, nimmt sie ernst und kümmert sich um sie.
Als ihr das Zimmer gekündigt wird, bietet er ihr an, in sein Haus zu ziehen. Für Odette ist das ein Sechser im Lotto. Doch dann verändert Amos sich und plötzlich ist er tod und alle konnten seinen Mord im Internet verfolgen.
Bei diesem Roman geht es weniger um die Tat selbst. Es geht mehr um das Leben von Odette und wie es zu all dem kommen konnte.
Die Geschichte ist spannend und tiefgründig und ganz anders als ich erwartet habe. Ich konnte Odette sehr gut verstehen. Trotz oder gerade wegen ihrer Naivität war sie mir sehr sympathisch.
Rezension zu:
Eine etwas zu kurz geratene Familiengeschichte
von beavielleser , 22. Oktober 2026
1948 flieht Sami mit seiner Familie aus Jaffa. Zaifa ist damals noch ein kleiner Junge. In Tripolis versuchen sie sich ein neues Leben aufzubauen, was ihnen mit Fleiß und Geduld gelingt.
Beeindruckend ist wie viel Wert der Vater auf die Bildung seiner Kinder legt, auch bei seinen Töchtern. Zaifa studiert Medizin in Deutschland, lernt seine Frau kennen, Amelie wird geboren und er wird in Deutschland heimisch.
Dieser Teil der Geschichte war mir zu oberflächlich. Vieles ist nicht auserzählt, was sehr schade ist. Ein paar Seiten mehr wären schön gewesen.
Als Amelie 2024 gebeten wird als Übersetzerin bei Flüchtlingen zu helfen, hat sie dabei kein gutes Gefühl. Sie hatte schon immer Probleme mit ihren arabischen Wurzeln und versucht diese zu verstecken. Ihre Tochter Ines wirft ihr vor ihren Migrationshintergrund zu verneinen und die Beiden geraten darüber in Streit. Erst als Amelie sich mit der Syrerin Yasmin unterhält, öffnet sie sich und fängt an die Vergangenheit ihrer Familie zu hinterfragen.
Auch hier hatte ich anfangs das Gefühl, dass es an Tiefe fehlt und Amelie fand ich unmöglich mit ihrer Verdrängungstaktik. Doch im weiteren Verlauf wurde es immer besser. Amelie entwickelt sich und damit auch der Erzählstrang.
Wegen den Kapiteln in der Vergangenheit, die mich nicht richtig fesseln konnten, vergebe ich nur 3,5 Sterne.
Rezension zu:
Vielen Dank für dieses Buch
von beavielleser , 20. Oktober 2026
Mi-ja und Young-sook wachsen zusammen auf der Insel Jeju auf. Sie werden von Young-sook's Mutter als Haenyeo ausgebildet, den berühmten Meeresfrauen, die ohne Sauerstoffflaschen tauchen, um die Früchte des Meeres zu ernten. Sie sichern den Lebensunterhalt der Familien und riskieren dabei ihr Leben.
Dieses Buch erzählt von 1938 bis 2008 die Geschichte dieser beiden aussergewöhnlichen Frauen und die Geschichte der Insel Jeju. Im Mittelpunkt steht immer die Freundschaft der beiden Frauen. Diese Freundschaft erleidet jedoch einen tiefen Riss, als Mi-ja etwas tut, dass Young-sook ihr nicht verzeihen kann.
Lisa See schreibt sehr bildhaft und atmosphärisch. Ich konnte mir das Tauchen im Meer und das Leben im Dorf gut vorstellen. Ich habe viel über die Kultur der Haenyeo erfahren und auch über die Insel Jeju. Beides war mir bisher vollkommen unbekannt.
Es gibt auch Stellen in dem Buch, die nicht einfach zu lesen sind. Gerade der Aufstand im Jahr 1948 und wie rücksichtslos die Soldaten mit den Bewohner von Jeju umgegangen sind, haben mich fassungslos gemacht.
Erst am Ende ihres Lebens erfährt Young-sook die wahre Geschichte, warum Mi-ja vor vielen Jahren den Verrat beging. Diese Wahrheit hat mich tief berührt.
Meine Rezension wird diesem tollen Buch nicht gerecht. Mir fehlen dafür einfach die richtigen Worte. Bitte lest dieses Buch, ich bin sicher ihr werdet es nicht bereuen.
Rezension zu:
Ein unbekanntes Stück Geschichte
von beavielleser , 17. Oktober 2026
1945 in Herxheim
Liese lebt mit ihrer Mutter und Schwester zusammen. Das Leben ist für die drei sehr hart, da der Vater nicht aus dem Krieg zurückgekehrt ist und selbst das Nötigste fehlt.
Als ein französischer Leutnant bei ihnen einquartiert wird, verlieben sich Liese und er. Es kommt wie es kommen muss. Liese wird schwanger und Michel wird versetzt. Liese muss viele Anfeindungen erdulden, aber als die Franzosen ihr das Kind wegnehmen, bricht ihre Welt total zusammen. Sie kann nichts dagegen tun und weiß nicht was mit ihrem Kind geschehen wird.
2026 in Napa Valley, Kalifornien
Maya und ihre Familie betreiben Weinbau und gerade läuft es nicht so gut. Als ihr Großvater sie bittet nach Deutschland zu fliegen und etwas über seine Mutter herauszufinden, die ihn zur Adoption frei gegeben hat, sagt sie trotzdem zu. Sie möchte ihm helfen zu verstehen, was sie damals zu diesem Schritt bewogen hat.
Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen, wenn das ein oder andere auch vorhersehbar war.
Erschütternd fand ich was die Französische Republik den deutschen Müttern und ihren Kindern nach dem Krieg mit dem "Kindertransfer" angetan haben. Ich hatte davon noch nie etwas gehört.
Rezension zu:
Wieder ein toller Thriller
von beavielleser , 13. Oktober 2026
"Aprikosenkind" ist der dritte Psychothriller von Judith Merchant und hat mich genauso gefesselt wie die Vorgängerbücher.
Am Anfang fand ich alles nur extrem seltsam. Das Familienleben von Nathalie und Gabriel scheint zu idyllisch, zu gekünstelt. Was hat es mit Ruby's verzögerten Entwicklung auf sich? Warum holen sich die Eltern keine Unterstützung von Fachleuten? Warum ziehen sie sich so von der Außenwelt zurück? Nach und nach werden all diese Fragen aufgeklärt.
Die kurzen Kapitel aus verschiedenen Perspektiven unterstützen das flüssig Lesen und halten die Spannung am Leben. Ich konnte das Buch nur schwer zur Seite legen.
Die Charaktere sind glaubwürdig und überzeugend.
Aufgrund des Klappentextes habe ich zwar etwas anderes erwartet, aber ich bin deshalb nicht weniger begeistert. Ich kann dieses Buch jedem Fan von Psychothrillern wärmstens empfehlen.
Rezension zu:
Unglaublich wie man sich in einem Menschen täuschen kann
von beavielleser , 10. Oktober 2026
Belle und ihre Familie fahren zu Beginn der Corona-Pandemie in ihr Haus auf Martha's Vineyard. Sie führen eine glückliche Ehe, meint Belle, bis zu dem Anruf eines fremden Mannes, der ihr erzählt, dass ihr Mann James und seine Frau eine Affäre haben.
Belle konfrontiert James mit diesem Anruf, der alles zu gibt und verharmlost. Kurz darauf teilt er ihr mit, dass er sich trennen will.
Im Stil eines Berichts schreibt Belle über die Zeit danach. Sie schämt sich, ist wütend, will verstehen was passiert ist. Von ihrem Mann bekommt sie keine Antworten. Verzweifelt blickt sie in die Vergangenheit und sucht nach irgendwelchen Anzeichen.
Bei all ihren Kämpfen mit sich und ihrem Umfeld ist sie bemüht, dass die Kinder nicht den Kontakt zu ihrem Vater verlieren, der auf das Sorgerecht verzichtet und auch nicht will, dass die Kinder länger bei ihm sind.
Belle Burden hat ein eindringliches Buch geschrieben, dass zeigt, dass man sein eigenes Leben nie in die Hände eines anderen legen darf, auch wenn man ihn noch so sehr liebt und vertraut.
Der Schreibstil ist sehr flüssig. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen.
Rezension zu:
Familienepos mit Längen
von beavielleser , 8. Oktober 2026
Cal ist mit Becky verheiratet, Margaret mit Felix. Als Cal und Margaret sich kennenlernen, kriselt es gerade bei Cal und Becky und Felix ist seit 2,5 Jahren im Krieg. Cal und Margaret beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die endet als Felix aus dem Krieg zurück kommt. Kurz danach ist Margaret mit Tom schwanger.
Ich habe lange gebraucht, um herauszufinden was mir an dem Buch nicht gefällt, denn die Geschichte und der Schreibstil sind gut. Tatsächlich ist es das unregelmäßige Erzähltempo.
Am Anfang wird ausschweifend über die Leben von Cal und Margaret erzählt. Dann nimmt das Tempo zu, um später wieder langsamer zu werden. Überrascht war ich dann über das schnelle, zeitraffende Tempo der letzten 100 Seiten.
Fazit:
Ich kann den Hype um dieses Buch nicht verstehen. Ich war zweimal kurz davor das Buch abzubrechen, dann wollte ich aber trotzdem wissen wie es weiter geht.
Rezension zu:
Drei Frauen auf der Suche nach neuen Wegen
von beavielleser , 6. Oktober 2026
Marga lebt seit ca. 30 Jahren auf der Insel. In einer abgelegenen, sehr einfachen Hütte im Wald hat sie einen Ort gefunden, an dem sich ihr grosser Schmerz um den Verlust von Mann und Kind aushalten lässt.
Judith ist auf die Insel geflüchtet nachdem ihr Mann ihr eröffnet hat, dass er sich nach 20 Jahren Ehe von ihr trennen will.
Evi ist eine bekannte Malerin und will auf der Insel herausfinden, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll, da sie aufgrund einer Krankheit nicht mehr malen kann.
Evi und Judith waren als Teenager beste Freundinnen. Wegen einem dummen Streit haben sich damals ihre Wege getrennt. Nach Jahren stehen sie sich wieder gegenüber und haben nun die Chance ihre Freundschaft zu erneuern.
Ein unglaublich warmherziges Buch, mit einem fesselnden Schreibstil. Ich mochte das Buch nicht aus der Hand legen.
Ich habe mich mit den drei Frauen sehr wohl gefühlt und auch auf dieser schwedischen Insel, deren Natur und Landschaft von Romy Fölck sehr bildlich beschrieben wurde.
Dieser Satz spiegelt für mich die Stimmung des Buches sehr gut wider:
"Für den magischen Moment des Sonnenaufgangs saßen sie schweigend zusammen. Drei Frauen, die sich nicht gesucht, aber dennoch gefunden haben." (Seite 298)
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Widerstand in den 70er Jahren
von beavielleser , 2. Oktober 2026
Johanna und Luzie sind seit der Schule Freundinnen. In den letzten Monaten sind sie sich jedoch fremd geworden.
Johanna hat nach dem überraschenden Tod des Vaters ihr Studium aufgegeben und führt nun das Weingut und muss sich um ihre kleine Tochter kümmern.
Luzie war in dieser Zeit in Marokko und hat dort einiges erlebt, was sie auch noch beschäftigt, als sie nach Deutschland zurück kehrt.
Nach ihrer Rückkehr findet sie Unterschlupf bei Johanna, aber den beiden gelingt es nicht so recht an der alten Freundschaft anzuknüpfen. Ein Grund dafür ist, dass Luzie Johanna das ein oder andere verschweigt, vorallem die Wolfie-Geschichte.
In einem sind sich die beiden jedoch einig, der Bau des geplanten Kernkraftwerkes muss verhindert werden und so unterstützen sie die Protestierenden tatkräftig.
Die Schilderungen der Proteste und der Stimmung auf dem Gelände des geplanten Kernkraftwerkes fand ich toll. Man konnte die Kraft der Gleichgesinnten spüren, die aus dem großen Zusammenhalt resultierte.
Ein sehr gutes Buch über die 70er Jahre, das vielschichtig über den Kampf gehen Atomkraft erzählt und wie schwierig es für Frauen war, ernst genommen zu werden.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, vorallem die Kapitel, wo es um den Kampf gegen das AKW ging. Eine klare Leseempfehlung!
Allerdings finde ich, dass weder Cover noch Titel den Inhalt des Buches widerspiegeln.
Rezension zu:
Ein paar Seiten mehr wären schön gewesen
von beavielleser , 30. September 2026
Eine aussergewöhnliche Familiengeschichte. Über vier Generationen und zwei Weltkriege folgen wir der Familie Lonsonier von Frankreich nach Chile und ihrem Werdegang dort.
Der Roman ist poetisch geschrieben mit vielen mystischen Passagen. Die langen, verschachtelten Sätze erfordern Konzentration, stören den Lesefluss aber nicht.
Manches kam mir jedoch zu kurz. Die Figuren sind interessant, aber ihre Leben werden nicht wirklich auserzählt. Hier hätte ich mir ein paar Seiten mehr gewünscht, um tiefer in ihre Schicksale eintauchen zu können.
Von mir 3,5 Sterne.
Rezension zu: