Ohne Pause durchgelesen
von 19cici95, 31. Mai 2026
Lena Kupke – mir als Stand-up-Comedienne bekannt – hat ein Buch geschrieben. Und das ist mal so gar nicht lustig.
Die 36-jährige Hanna zieht nach einem medizinschen Vorfall erstmal wieder bei ihren Eltern ein. Und muss dort feststellen, dass sich gar nicht so viel verändert hat.
Durchaus amüsant stellt die Autorin die wahren Struggles von Millenials dar: alles wird gebügelt, man selbst fällt ins Teenageralter zurüpck (Kupke beschreibt es als „Verlust des erwachsenen Ichs“), das ständige Verstellen, Ignorieren von Konflikten, man verbirgt vor seinen Eltern nichts zu tun. All das werden wohl die allermeisten erwachsenen Kinder kennen und mit jeder Beschreibung fühlt man sich ein wenig mehr ertappt.
Der Schreibstil von Kupke ist leicht und flüssig zu lesen, doch oft hat sie mich mit ihrer Beschreibung tiefer Gefühle komplett umgehauen.
Es geht viel um die Beziehung zu den eigenen Eltern, die man als Erwachsene erstmals auch als selbstständige Menschen mit eigenen Persönlichkeiten erfährt und wie man mit dieser Veränderung umgeht und vielleicht auch daran wachsen kann.
Die medizinischen Vorfälle, die im Buch nie namentlich benannt werden, aber dennoch klar rüberkommen, belasten Hanna sehr. Sie würde gerne darüber reden, aber ihre Familie traut sich nicht, die Freundinnen leben lieber ihren Hot Girl Summer und auch ihren Freund Paul, der Hanna eigentlich unterstützen sollte, erleben wir nur über Telefonate und Nachrichten. Eine wandelnde Red Flag.
Dagegen ist Alexander ein Mann, der von einer Frau geschrieben wurde. Ein absoluter Traumtyp, der besser ist als wahr zu sein. Das macht es gleichzeitig schön zu lesen, aber leider auch ein bisschen unglaubwürdig.
Die erste Hälfte des Buches hat mir besser gefallen. Hanna ist am absoluten Tiefpunkt ihres Lebens angekommen und muss sich wieder zurück ins Leben kämpfen. Diese Gefühlswelt darzustellen gelingt Kupke wirklich meisterhaft.
Ich kann den Wunsch nach einem guten Ende für die Protagonistin nachvollziehen, doch mir war das Ende schon fast zu kitschig. Fast wie im Bilderbuch.
Rezension zu:
Wilburs Zug ist abgefahren
von 19cici95, 30. Mai 2026
Mit der Mitternachtsreise erscheint endlich die lang ersehnte Fortsetzung der Mitternachtsbibliothek. Die Erwartungen sind hoch, es wird mit schwierigen Themen auf dieser Reise zu rechnen sein. Schafft es Matt Haig nochmal einen qualitativ gleichen Erfolg wie mit der Mitternachtsbibliothek zu verzeichnen?
Die Mitternachtsbibliothek war für Nora Seed das Stadium zwischen Leben und Tod, im Mitternachtszug ist dieser für Wilbur auf jeden Fall schon abgefahren. Er hat nur noch die Möglichkeit einige Szenen seines Lebens nochmal zu besuchen. Oder?
Es gibt einige Regeln für die Reise im Mitternachtszug. Wilbur wird von seiner Mentorin im Tod genauso an die Hand genommen, wie im Leben. Die alte Buchhändlerin Agnes, die ihn bereits als Kind in seiner Liebe zu Büchern unterstützt hat, begleitet ihn auch auf seiner letzten Reise.
Natürlich muss man sich an Regeln halten und doch wird Wilbur, wie durch Engelchen und Teufelchen auf seiner Schulter vor die Wahl gestellt, sich gegen ebenjene Regeln aufzulehnen. Doch eventuell könnte der Preis am Ende dafür zu hoch sein. Gleich zu Beginn des Buches bekommt man eine Ahnung davon, worauf die Geschichte hinausläuft. Und wie bei einem Zugunglück, bewegt man sich unaufhaltsam darauf zu.
Wie sich diese Katastrophe mit all ihren Konsequenzen allerdings abspielt, geht mir am Ende ein bisschen zu schnell. Der Sinneswandel von Wilbur kommt leider nicht ganz so nachvollziehbar rüber, wie ich es mir gewünscht hätte.
Am Ende läuft es auf die Frage hinaus, die man sich im Leben schon stellt: Was hätte ich anders machen können und wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich es tun?
Mit viel Liebe nähert sich matt Haig der Antwort auf diese Frage immer mehr an. Wilbur trifft am Ende eine Entscheidung. Doch er ist tot. Wir dagegen sind am Leben und haben noch alle Möglichkeiten. Machen wir das Beste daraus.
In der Mitternachtsreise werden sehr viele Werke anderer Autorinnen und Autoren erwähnt. Und wenn du merkst, dass du einen Großteil dieser Bücher bereits gelesen hast, verstehe ich jetzt, warum mir die Bücher von Matt Haig alle so gut gefallen.
Aufgefallen sind mir leider im Verlauf des Lesens einige Lektoratsfehler. Punkte am Satzende fehlen, kursiv gedruckte Buchstaben mittendrin und Wortwiederholungen, die einfach nicht sein müssten. Und zu alle dem frage ich mich ganz besonders, warum die deutsche Übersetzung des Titels unbedingt Mitternachtsreise sein musste, wenn Mitternachtszug doch einfach viel passender ist.
Dem Cover dagegen muss ich ein großes Lob aussprechen, auch wenn die abgebildete Katze nirgends in der Geschichte zu finden ist Und wer das Buch im Dunklen liest, erlebt vielleicht die ein oder andere Überraschung.
Am Ende kann die Mitternachtsreise leider nicht ganz mit seinem Vorgänger mithalten. Der vorherige Besuch der Mitternachtsbibliothek sei an dieser Stelle auf jeden Fall empfohlen. Einige wunderschöne Szenen haben so viel mehr Wirkung. Fans von Matt Haig werden aber auch hier wieder nicht enttäuscht.
Rezension zu:
Mehr Bauchgefühl als roter Faden: Ein sprunghafter Coup
von 19cici95, 29. Mai 2026
Bridgerton meets The Clou – so wird Die Queen von Mayfair beworben und das ist auch absolut zutreffend.
Im tollen viktorianischen Setting folgen wir Quinn dabei, wie sie den größten Coup der letzten Jahre durchführt und sich dabei im Vorbeigehen einen Duke angelt.
Quinn ist dabei als Queen of Fives die Königin einer – nunmehr zugegebenermaßen – zusammenbrechenden Betrügerbande, die in einstigen Zeiten große Spiele nach strengen Regeln spielte, um sich und ihre Mitglieder über Wasser zu halten.
Der Anfang des Buches ist verwirrend. Man steigt direkt vor dem Heist in die Geschichte ein und bekommt erst nach und nach mit, welche Vorbereitungen dafür getroffen wurden. Die Frist mit den fünf Tagen erscheint im Laufe der Geschichte auch immer willkürlicher und führt am Ende natürlich zu einigen Problemen. Der Plan an sich kam mir auch ziemlich an den Haaren herbei gezogen vor. Von der Etablierung einer komplett erfundenen Persönlichkeit bis zu einem Heiratsantrag inkl. Hochzeit in nur fünf Tagen erscheint mir das auch in einem nicht-betrügerischen Setting viel zu ambitioniert. Und hier muss Quinn noch gegen Widrigkeiten bestehen.
Leider bekommen wir auch weder von Quinn noch von den anderen Charakteren viel von ihnen mit. Sie sind das ganze Buch über relativ farblos und besonders Quinns Motivation wird nicht so recht klar. Auch bei der Liebesgeschichte mit dem Duke kommen keinerlei Gefühle der Charaktere rüber.
Aufmerksamen Lesenden wird dagegen schon gleich zu Beginn klar, wer der ominöse Gegenspieler der Queen sein wird. Das hat mich das ganze Buch über verwirrt.
Der Schreibstil ist sehr sprunghaft nicht kohärent, das hat leider meinen Lesespaß etwas getrübt.
In der Nachbemerkung des Autor schreibt er selbst, dass ihm seine Figuren anfangs leblos vorkamen. Leider muss ich dazu sagen, dass das auch in der finalen Fassung nicht vollkommen ausgemerzt wurde.
Weiter schreibt er, dass er diese Geschichte eher nach Gefühl geschrieben hat und das glaube ich ihm sofort. Dafür spricht auf jeden Fall der für mich sprunghafte Schreibstil.
Ich hatte große Erwartungen an das Buch, da es von einem schwulen Autor geschrieben wurde, der über weibliche Macht schreiben möchte. Das gelingt ihm aber leider nur so mittelgut.
Gut gefallen haben mir dagegen der britische Humor, der wirklich sehr gut rübergekommen ist und die ganzen Ort, die auch in Good Omens vorkommen. Ob das nun Zufall oder gewollt ist, lässt sich von mir nicht abschließend beurteilen.
Wer also Lust auf das Setting hat und Heist-Geschichten mag, bekommt hier auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung, die man schnell gelesen und ebenso schnell wieder vergessen hat.
Rezension zu: